21. August 2010 - Vor 5 Jahren: Robert A. Moog stirbt in Asheville

Stichtag

21. August 2010 - Vor 5 Jahren: Robert A. Moog stirbt in Asheville

Synthesizer sind aus der modernen Musik kaum wegzudenken. Einer der Pioniere solcher Geräte ist der Amerikaner Robert Arthur Moog, dessen Vorfahren aus dem hessischen Marburg stammen. Zu Beginn der 1960er Jahre entwickelt er sein erstes Modell: Mit Hilfe elektronischer Modulationen verändert er die Klangfarbe von Sinustönen so, dass ein neuer Sound entsteht. "Das Wort 'synthesize' bedeutet, etwas zusammenzufügen aus seinen Einzelteilen", erklärt Moog später. "Einen Synthesizer-Klang zu erzeugen, heißt, mit dem einfachsten möglichen Klang anzufangen und nach und nach den Grad der Komplexität zu steigern." Sein Synthesizer hat Vorläufer. Doch die ersten elektronischen Instrumente aus den 1920er Jahren wie das russische Theremin oder das deutsche Trautonium sind klanglich noch sehr begrenzt und schwer zu bedienen.

Erster Synthesizer mit Klaviertastatur

1948 entdeckt der 14 Jahre alte Moog, der am 23. Mai 1934 in Flushing im US-Bundesstaat New York geboren wurde, einen Artikel über das Theremin und ist fasziniert. Wie sein Vater ist Bob begeisterter Elektronikbastler. Die Klavierstunden, die ihm seine Mutter verordnet, lässt er dagegen über sich ergehen. Schon als Jugendlicher entwickelt Bob einen eigenen Theremin-Bausatz, gründet mit seinem Vater eine kleine Keller-Firma und vertreibt die Geräte für 50 Dollar im Postversand. Dann studiert er Physik in New York. In den 1950er Jahren entwickeln Elektroniker die ersten Synthesizer. Die Apparate sind nur von Technikern beherrschbar und interessieren lediglich Avantgardisten wie Karl-Heinz Stockhausen in Köln. Erst Moog gelingt es 1964, das zu ändern. Sein "Moog Modular" hat als erster Synthesizer einen Klaviertastatur - und ist damit für Musiker spielbar.

Unternehmerisch wenig begabt

Den Durchbruch für Moogs Erfindung bringt 1968 das Klassik-Album "Switched-On-Bach": Komponist Walter Carlos, der nach einer Geschlechsumwandlung später zu Wendy Carlos wird, übersetzt die Musik Johann Sebastian Bachs für den Synthesizer. Diese Bach-Interpretation revolutioniert nicht nur die Klassik, sondern auch die Rockmusik. Zu Moogs Kunden gehören Bands wie Emerson, Lake and Palmer, Genesis und Pink Floyd. Die Düsseldorfer Gruppe Kraftwerk treibt die Künstlichkeit der Synthesizer-Musik auf die Spitze und wird weltberühmt: "Ich bin der Musikant mit dem Taschenrechner in der Hand", heißt es 1974 in einem ihrer Titel.

Zu diesem Zeitpunkt hat Moog - unternehmerisch wenig begabt - seine Firma längst an einen Sanierungsexperten verloren. Der Soundtüftler wird Professor für Musiktechnologie. Erst 2002 kann er die Namensrechte zurückkaufen. Seine ehemalige Firma hatte dicht gemacht: die analogen Moog-Synthesizer konnten gegen die neue digitale Konkurrenz nicht bestehen. Moog baut nun einen aktualisierten "Mini-Moog". Am 21. August 2005 stirbt er mit 71 Jahren in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina an Krebs. Auf seiner Beerdigung spielt Wendy Carlos Synthesizer - natürlich Bach.

Stand: 21.08.10