02. Oktober 2010 - Vor 165 Jahren: Deutsche Morgenländische Gesellschaft gegründet

Stichtag

02. Oktober 2010 - Vor 165 Jahren: Deutsche Morgenländische Gesellschaft gegründet

Den Begriff "Morgenland" wird im 16. Jahrhundert von Martin Luther in die deutsche Sprache eingeführt: Er nennt die Heiligen Drei Könige aus der Weihnachtsgeschichte in seiner Bibelübersetzung "die Weisen aus dem Morgenland". Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Morgenland, die Orientalistik, beginnt an deutschen Universitäten allerdings deutlich später: Ende des 18. Jahrhunderts.

"Vertiefung und Verbreitung der Kenntnis"

Weitere 50 Jahre danach entsteht die erste Fachvereinigung für Orientalisten: Am 2. Oktober 1845 wird in Darmstadt die "Deutsche Morgenländische Gesellschaft" (DMG) mit Sitz in Leipzig gegründet. Zu den Initiatoren gehört der Leipziger Arabist Heinrich Leberecht Fleischer. "Zweck (...) ist die Vertiefung und Verbreitung der Kenntnis des Morgenlandes", heißt es in der DMG-Satzung. "Den Tätigkeitsbereich der Gesellschaft bilden Asien, Ozeanien und Afrika." Im 19. Jahrhundert erstreckt sich das "Morgenland" von Marokko bis Japan, vom Balkan bis Indien und von Südafrika bis zur Südsee. Die meisten Orientalisten kennen damals diese Regionen nur aus Büchern.

Im späten 19. Jahrhundert sind der Krimkrieg und der Niedergang des Osmanischen Reichs aktuelle politische Themen, die in Zeitungen verhandelt werden - nicht aber von Orientalisten. Diese Zurückhaltung hat sich bis heute gehalten. Artikel über den Irakkrieg oder Al-Qaida finden sich in der wissenschaftlichen Zeitung der DMG nicht. "Es ist keine Gesellschaft, die sich selber irgendeinen - wie auch immer gearteten - politischen Auftrag selbst zuerkennt", sagt Professor und DMG-Vorsitzender Claus Schönig aus Berlin.

"Vielleicht einmal die Stimme erheben"

Über beinahe eineinhalb Jahrhunderte haben die deutschen Orientalisten brisante Debatten gemieden. Noch in den 1980er- und 1990er-Jahren des 20. Jahrhunderts haben sie es Journalisten wie Peter Scholl-Latour oder Gerhard Konzelmann überlassen, die islamische Welt zu deuten. Dies ändert sich langsam. Auch die DMG denkt über eine Verhaltensveränderung nach: "Was unter den momentanen Bedingungen wichtig sein könnte, ist, dass die DMG vielleicht auf dem Sektor der Wissenschafts- und Bildungspolitik einmal die Stimme erheben wird oder erheben sollte", sagt der DMG-Vorsitzende Schönig.

Stand: 02.10.10