27. September 2010 - Vor 350 Jahren: Vinzenz von Paul stirbt in Paris

Stichtag

27. September 2010 - Vor 350 Jahren: Vinzenz von Paul stirbt in Paris

Schon bevor Vinzenz von Paul seine eigentliche Aufgabe findet, verläuft sein Leben ziemlich ungewöhnlich. Er wird als Vincent Depaul am 24. April 1581 in Pouy bei Dax in der Gascogne geboren. Der Vater, ein Bauer, muss drei Ochsen verkaufen, damit der Sohn in Toulouse Theologie studieren kann – ein Vermögen in einem Land, das von Bürgerkriegen gebeutelt ist. Bereits mit 19 Jahren erhält er die Priesterweihe. Nach seinem Studium bekommt er eine Assistentenstelle an der Universität.

In Briefen berichtet Vinzenz davon, dass er 1605 während einer Reise auf dem Mittelmeer von maurischen Seeräubern gefangen genommen wird. In Tunis wird er angeblich auf dem Sklavenmarkt verkauft und muss - bis zu seiner Flucht - zwei Jahre verschiedenen Herren dienen. Diese Angaben sind historisch allerdings nicht gesichert. Sicher ist dagegen: Den Priester, der heute als Gründer der modernen Caritas gilt, der sozialen Hilfsorganisation der römisch-katholischen Kirche, locken zunächst die irdischen Vorzüge seines Berufs: Vinzenz landet in Paris als Hauslehrer einer reichen Familie und genießt das Leben auf deren Schlössern.

"Töchter der Barmherzigkeit"

Doch dann vollzieht Vinzenz von Paul eine innere Wandlung. Er erkennt, dass das luxuriöse Leben auf den Schlössern im Widerspruch zu den Lebensverhältnissen der hungernden Landbevölkerung steht. Er will nun nicht nur das Wort Gottes verkünden, sondern tatkräftig eingreifen: "Wir sind die Diener der Armen. Gott hat uns für sie ausgewählt." Der junge Pfarrer beginnt damit, professionell Hilfe zu organisieren. Er treibt Spenden ein und gründet Bruderschaften, Priesterseminare, Häuser für Findelkinder und Hilfsdienste für Kranke. Für Vinzenz ist ein Christ, der sich nicht um "seinen Bruder" kümmert, "nur ein gemalter Christ". Sein Wahlspruch lautet: "Liebe ist Tat." 1633 gründet er zusammen mit Louise de Marillac, einer außerehelichen Tochter eines Adeligen, die Gemeinschaft "Filles de la charité" ("Töchter der Barmherzigkeit") - eine karitative Frauenvereinigung, die sich um Arme und Kranke sorgt. Vinzenz erwartet von den Frauen: "Ehelosigkeit, Armut, Gehorsam und Armendienst". Auch Männer schließen sich zu entsprechenden "Vinzentiner"-Gemeinschaften zusammen.

1737 heilig gesprochen

Mitte des 17. Jahrhunderts wird Frankreich wieder von Aufständen und Bürgerkriegen erschüttert. Vinzenz lässt in Paris Flugblätter verteilen: "Auf den Feldern der Champagne liegen etwa tausend Tote." Er ruft zu Geldspenden für die Hinterbliebenen auf. Vinzenz rettet damit das Leben von Tausenden und wird eine Art Nationalheiliger in Frankreich. Er stirbt am 27. September 1660 mit 79 Jahren in Paris. 1737 spricht Papst Clemens XII. ihn tatsächlich heilig.

1832 holt König Ludwig I. von Bayern die ersten Vinzentinerinnen nach München. Ein Jahr später werden auch die ersten "Vinzenz-Konferenzen" in Deutschland gegründet. Sie gehen zurück auf den Franzosen Antoine-Frédéric Ozanam, der die verschiedenen Vereinigungen der Vinzenz-Brüder zusammengefasst hat. Wie die Schwestern gehören auch sie zum Deutschen Caritasverband der Katholischen Kirche.

Stand: 27.09.10