14. März 2010 - Vor 1170 Jahren: Geschichtsschreiber Einhard stirbt

Stichtag

14. März 2010 - Vor 1170 Jahren: Geschichtsschreiber Einhard stirbt

Der Nacken Karls des Großen ist dick und kurz, die Nase lang. Auch sein Bauch tritt hervor. Aber diese Fehler fallen "bei dem Ebenmaß seiner Glieder" nicht weiter ins Gewicht. In seiner Biografie "Vita Karoli Magni" beschreibt der fränkische Geschichtsschreiber Einhard Karl den Großen aus der Erinnerung mit vertraulichem Spott, vor allem aber mit respektvoller Distanz. Kein Wunder: Geht es dem Vertrauten und Freund des Herrschers doch vor allem darum, Karls untereinander zerstrittene Nachfolger an die Größe ihres Vorgängers zu erinnern: "Er vergrößerte das Frankenreich, das er bereits groß und stark von seinem Vater Pippin übernommen hatte, fast um das Doppelte."

Einhard wird um 770 als Spross einer Adelsfamilie im Maingau geboren und im Kloster Fulda erzogen. Im Jahr 794 lernt er in Aachen Karl den Großen kennen. Klein von Statur, imponiert er dem Herrscher mit profundem Wissen. Zu dieser Zeit hat Karl bereits die bedeutendsten Gelehrten Europas um sich geschart. Für die Modernisierung seines Reichs setzt er Einhard ein. Als Chefdiplomat führt dieser schwierige Missionen aus, nicht zuletzt nach Rom. Er saniert marode Klöster, zieht mit Karl in den Krieg gegen die Sachsen und hat die Bauaufsicht bei zahlreichen Bauten, darunter auch beim Aachener Dom.

In seiner "Vita Karoli Magni", der ersten großen Herrscherbiografie des Mittelalters, blickt Einhard vierzig Jahre zurück in eine Zeit, als Karl der Große Europa einte. Subjektiv gefärbt, zumeist aber auch faktentreu schildert er den Kampf des Herrschers gegen die einfallenden Germanenhorden – auch wenn er Karls Massaker an 4.500 Sachsen in Verden an der Aller im Jahre 782 verschweigt.

Nach Karls Tod schwindet auch Einhards Einfluss. Vermittlungsversuchen zwischen den zerstrittenen Nachfolgern ist nur mäßiger Erfolg beschieden. Des Politischen überdrüssig geworden, gründet er ein Benediktinerkloster und baut eine Wallfahrtskirche im heutigen Seligenstadt. Hier stirbt er am 14. März 840. Obwohl kein Kleriker, wird er mit seiner Frau Imma in der Krypta der Klosterkirche beigesetzt.

Stand: 14.03.10