22. Dezember 2010 - Vor 45 Jahren: DDR-Ministerrat bildet das Amt für Preise

Stichtag

22. Dezember 2010 - Vor 45 Jahren: DDR-Ministerrat bildet das Amt für Preise

Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise, so lautet das kleine Einmaleins der freien Marktwirtschaft. In der Planwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik aber ist der Markt nicht frei, Konkurrenz nicht im Staatsinteresse und die Nachfrage meist höher als das Angebot. Die Kompetenzen für die Festlegung des Preissystems liegen in der DDR bis Mitte der 60er-Jahre parallel bei mehr als einem Dutzend Ministerien und Behörden. Sie alle entscheiden auf Basis der jeweils ermittelten Herstellungs- bzw. Beschaffungskosten. Dies führt zwangsläufig zu politisch nicht opportunen Resultaten – vor allem bei Waren des Grundbedarfs wie Lebensmitteln oder Kleidung, deren Preise, so die oberste Maxime, stabil zu halten sind.

Teurer Luxus und massive Subventionen

Um eine einheitliche Preisfestlegung zu gewährleisten und von der Staatsführung gewünschte Eingriffe ins Preisgefüge besser zu koordinieren, beschließt der DDR-Ministerrat am 22. Dezember 1965 die Bildung eines Amtes für Preise (AfP.). Zum Leiter im Ministerrang wird der Ökonomie-Experte und vorherige Vize-Finanzminister Walter Halbritter ernannt. Unter seiner Führung ermittelt ein in der gesamten DDR tätiger Beamtenapparat mit zahlreichen beigeordneten Behörden zentral sämtliche Kosten des Material- und Arbeitsmitteleinsatzes sowie den Marktbedarf. Außerdem prüft das AfP. Wege, Kosten zu senken, überwacht die Qualität der Erzeugnisse und kontrolliert die Endverbraucherpreise.

Die letzte Entscheidung behält sich allerdings die politische Führung vor, die für Luxusgüter wie Fernseher oder Autos meist deutlich höhere Preise als kalkulatorisch erforderlich festsetzt. Die Kosten für Produkte des täglichen Bedarfs werden dagegen durch massive Subventionen künstlich niedrig gehalten. Eine Inflation wie im kapitalistischen Ausland kennt die DDR offiziell nicht.

Kampfpreise für den Westen

Diese irrationale Preispolitik führt allerdings oft dazu, dass nicht einmal die Herstellungskosten gedeckt werden. Besonders im Handel mit dem nichtsozialistischen Ausland wird die auf Exporte und Devisen dringend angewiesene DDR-Wirtschaft massiv mit Dumpingpreisen unterstützt. Viele Artikel "Made in GdR" wie etwa Musikinstrumente, Spielzeug oder die weihnachtlichen Schnitzereien aus dem Erzgebirge sind bei westlichen Großhändlern auch wegen der konkurrenzlos niedrigen Preise sehr begehrt. Der Hertie-Konzern etwa bezieht in den 80er-Jahren zehn Prozent seiner Gesamtimporte aus der DDR – bei den Hertie-Importen steht die DDR damit an dritter Stelle nach Hongkong und Italien.

Die ideologischen bestimmten Manipulationen der vom AfP. ermittelten Preise tragen 1989 mit zum Kollaps der DDR bei. AfP.-Chef Walter Halbritter bleibt bis zum Zusammenbruch seines Staates im Amt. Die meisten seiner Mitarbeiter finden auch als Bundesrepublikaner einen krisenfesten Arbeitsplatz: bei den  Finanzämtern.

Stand: 22.12.10