30. September 2010 - Vor 50 Jahren: Fernseh-Premiere der "Flintstones"

Stichtag

30. September 2010 - Vor 50 Jahren: Fernseh-Premiere der "Flintstones"

Vor 50 Jahren startet im US-Fernsehen eine Zeichentrick-Serie, in deren Mittelpunkt eine typisch kleinbürgerliche Vorstadt-Familie steht. Sie besitzt Auto, Plattenspieler und Rasenmäher und kämpft stetig mit den Tücken des modernen Alltags. So weit nichts Ungewöhnliches, doch die skurrilen Dramen der Familie Flintstone (Feuerstein) spielen nicht im Amerika der Sechziger, sondern in der Kulisse einer knallbunten Turbo-Steinzeit. Ihr Held ist das körperlich kompakte, meist dröhnend gut gelaunte Familienoberhaupt Fred Feuerstein. Dank seiner klugen wie bezaubernden Gattin Wilma, geborene Slaghoople (Schotterhaufen), übersteht der sympathische Verlierer unbeschadet alle Katastrophen, die er gewöhnlich zusammen mit seinem Kumpel Barney Rubble (Geröllheimer) anrichtet. Am 30. September 1960 flimmern die Abenteuer der Flintstones im Sender ABC erstmals über den Bildschirm.

Bewegungsarmer Brachialhumor

Erdacht haben "The Flintstones" William Hanna und Joseph Barbera, zwei Comic-Produzenten, die seit ihren gemeinsamen Zeiten bei den Metro-Goldwyn-Mayer-Studios (MGM) ein unzertrennlich Gespann bilden. Mit "Tom und Jerry" gelingt Hanna und Barbera 1940 der erste große Wurf; sieben Oscars heimsen die Freunde insgesamt für ihre Cartoon-Erfindungen ein. 1957 gründen sie ihr eigenes Hanna-Barbera-Studio und produzieren als erste erfolgreich Comic-Filmchen für das Fernsehen. Aus Kostengründen erfinden sie die sogenannte "Limited Animation", ein Zeichenstil, der gegenüber den teuren Kinoproduktionen auf die rudimentärsten Bewegungen reduziert ist. "Disney für Arme", lästert die Branche. Doch das Publikum pfeift auf Perfektion. Es beschert den turbulenten, oft brachialen Comics von Hanna und Barbera so hohe Einschaltquoten, dass ABC das Duo 1959 beauftragt, eine halbstündige Serie für das Hauptabendprogramm zu entwerfen.

Mittelstandssatire mit Saurier

Zur besten Sendezeit muss die Serie nicht nur bei Kindern, sondern vor allem beim erwachsenen Publikum ankommen. Deshalb konzipieren Hanna und Barbera "The Flintstones" als Satire auf das Leben der US-Mittelschicht; sie bauen Gags aus der Gegenwart in die Handlung ein und garnieren das Ganze mit textlich angepassten aktuellen Musikhits. Dass sogar kuschelige Dinosaurier, die selbst in der frühesten Steinzeit schon 60 Millionen Jahre ausgestorben waren, den prähistorischen Alltag der Feuersteins bevölkern, passt ins schräge Bild. Die Mischung kommt an und macht die Abenteuer der Familie Feuerstein zur erfolgreichsten Zeichentrick-Serie der 60er Jahre. Sie wird in 80 Länder verkauft, in 22 Sprachen übersetzt und läuft ab Juli 1966 auch im Deutschen Fernsehen. Erst 30 Jahre nach seiner Bildschirmpremiere wird Fred Feuerstein als beliebtester TV-Comic-Vater von einem anderen trotteligen Hohlkopf verdrängt: Homer Simpson.

Stand: 30.09.10