06. Juli 2009 - Vor 130 Jahren: Karl Maybach wird geboren

Stichtag

06. Juli 2009 - Vor 130 Jahren: Karl Maybach wird geboren

1918 verliert Deutschland den Ersten Weltkrieg. Der 39 Jahre alte Karl Maybach und sein Vater Wilhelm stehen mit ihrem Unternehmen vor dem Aus: Maybach-Motorenbau darf als Unterabteilung der Firma Zeppelin keine Luftschiff- und Flugzeugmotoren mehr bauen. Das verbietet der Versailler Vertrag. Während des Krieges haben Maybach-Motoren unter anderem Jagdflugzeuge angetrieben. Karl Maybach muss für den ehemaligen Rüstungsbetrieb neue Geschäftsfelder suchen. "Wir haben uns dann die Aufgabe gestellt, erstmals einen schnelllaufenden Dieselmotor herauszubringen", erinnert er sich später. "Damit war zum ersten Mal der Dieselmotor in Konkurrenz zu den Dampfmaschinen im Bereich der Eisenbahn einsetzbar", erklärt Maybach-Biograph Harry Niemann. Maybach-Motorenbau bleibt ein Tochterunternehmen des Luftschiffkonzerns-Konzerns. 1921 entscheidet man sich, Autos zu bauen.

In den 1920er Jahren geht es mit der deutschen Wirtschaft wieder bergauf. Es gibt eine kleine Oberschicht und Maybach baut Autos für sie. Die riesigen Wagen mit bis zu zwölf Zylindern faszinieren durch Luxus und moderne Technik. Geld verdient das Unternehmen mit den Prestigeobjekten aber nicht. Da sie jedoch ein gutes Aushängeschild sind, toleriert der Zeppelin-Konzern das Verlustgeschäft. Aufwärts geht es erst wieder, als die Reichsbahn 1933 einen Großauftrag für Dieselmotoren an Maybach vergibt. Der Stromlinien-Zug "Fliegender Hamburger" hatte einen neuen Rekord für Lokomotiven aufgestellt. Ebenfalls 1933 erhält Maybach zudem vom Nazi-Regime einen Auftrag für den Bau von Panzermotoren. Der am 6. Juli 1879 in Köln geborene Maybach wird zwar nicht NSDAP-Mitglied, lässt sich aber 1937 zum Wehrwirtschaftsführer ernennen. "Karl Maybach war eher ein unpolitischer Techniker, vergleichbar mit Ferdinand Porsche, den in erster Linie seine technischen Aufgabenstellungen interessiert haben und der sich wenig mit Politik befasst hat", sagt Niemann.

Maybach stellt dem NS-Regime seine Fähigkeiten zur Verfügung, lässt sich vereinnahmen und verdient gut dabei. Die Nazis nutzen seine Haltung für ihren Angriffskrieg - und ihre Propaganda: "Unsere Motorentechnik steht jetzt mit ihren Leistungen mit in der ersten Reihe der Spitzenleistungen in der Welt", so Adolf Hitler. Maybach liefert alle Motoren für die Panzer, mit denen Deutschland seine Nachbarn überfällt. 1940 wird sein schizophrener Bruder Adolf ermordet. Er ist einer der vielen psychisch Kranken, die im Rahmen der sogenannten Aktion T4, den Euthanasiemorden, umgebracht werden. Maybach schweigt dazu und arbeitet weiter. Im Werk in Friedrichshafen am Bodensee montieren längst Zwangsarbeiter die Panzermotoren, von denen insgesamt bis 1944 rund 140.000 Stück hergestellt werden. Als die Rüstungsschmiede immer mehr Ziel alliierter Bomber wird, flieht Maybach mit seinen Konstrukteuren und seiner Familie ins Allgäu.Nach dem Zweiten Weltkrieg zählt er für die Alliierten zu den Kriegsverbrechern. Er soll eine hohe Geldstrafe zahlen und nie wieder ein Unternehmen leiten. Doch es kommt anders: Maybach nutzt seine Kontakte zum französischen Verteidigungsministerium und erhält den Auftrag, einen 1.000-PS-Panzermotor zu bauen. Das Entnazifizierungsverfahren wird gestoppt. Am 7. Februar 1960 stirbt Karl Maybach in Friedrichshafen, hochgeachtet und mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt. Er war davon überzeugt, er habe immer nur seine Pflicht getan.

Stand: 06.07.09

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