11. April 2009 - Vor 35 Jahren: Golda Meir tritt als Ministerpräsidentin zurück

Stichtag

11. April 2009 - Vor 35 Jahren: Golda Meir tritt als Ministerpräsidentin zurück

Die israelischen Offiziere stehen stramm vor der kleinen, korpulenten Frau in Wollstrümpfen und mit Handtasche. Israels Ministerpräsidentin Golda Meir ist eine resolute Frau. Auf Äußerlichkeiten gibt die Kettenraucherin nichts. Ihr geht es um die Sache - die zionistische Sache, den eigenen jüdischen Staat. Zwischen dem Mittelmeer und der östlichen Wüste, so Meirs Überzeugung, gibt es keinen Platz für ein eigenständiges Palästina, sondern nur Platz für Israel und Jordanien. Endlich habe die Jahrhunderte dauernde Flucht der Juden ein Ende gefunden: "Niemand muss am Morgen mit der Sorge aufwachen, was seine Nachbarn über ihn denken. Jude zu sein ist hier kein Problem."

Pogromstimmung gegen Juden erlebt Golda Meir als Kind in der Ukraine. Sie wird am 3. Mai 1898 in Kiew als Tochter eines Schreiners mit dem Nachnamen Mabowitsch geboren. Wegen der Armut und der Pogrome im zaristischen Russland emigriert er in die USA. Als Golda acht Jahre alt ist, holt er seine Familien nach. Golda wird Lehrerin und heiratet den Schildermaler Morris Meyerson. 1921 gehen die beiden ins britische Mandatsgebiet Palästina. Im Kibbuz kümmert sie sich um Hühner und engagiert sich als Gewerkschaftsfunktionärin. Nach der Geburt ihrer Kinder Menachem und Sarah scheitert ihre Ehe - aber nicht ihr politischer Traum vom eigenen Israel. Nach der Staatsgründung am 14. Mai 1948 und Israels Sieg über die arabischen Staaten im Unabhängigkeitskrieg wird Golda zunächst Botschafterin in Moskau, dann Arbeitsministerin. 1956 wird sie für fast zehn Jahre Außenministerin. In diesem Amt ändert sie auch ihren Nachnamen. Sie wird eine Vertraute von Staatsgründer und Premierminister David Ben Gurion, der über sie sagt: "Der einzige Mann in meinem Kabinett ist Golda Meir."

Vor dem Suez-Krieg 1956 sagt die Außenministerin: "Je nachhaltiger wir unsere Interessen vertreten, desto mehr werden wir gewinnen." An Frieden denkt Golda Meir nicht. Sie ist hart zu anderen - und zu sich selbst. Obwohl sie 1965 an Krebs erkrankt, kehrt sie bald in die Politik zurück. Ihre große Chance kommt nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Israel hat den Sinai und die Golan-Höhen erobert, den Gaza-Streifen und das Westjordanland. Als 1969 Ministerpräsident Levi Eschkol überraschend stirbt, wird Meir seine Amtsnachfolgerin. Drei Jahre später überfallen palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München das israelische Team. Meir will solche Attacken nicht hinnehmen: "Es ist unsere natürliche Pflicht, den antiisraelischen Terror bis zu Vernichtung zu bekämpfen." In den folgenden Jahren bringt offensichtlich der Mossad, der israelische Geheimdienst, mindestens 13 Führer der Palästinenser im Ausland um. Gleichzeitig werden israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten gebaut. Meir schafft vollendete Tatsachen.1973, am höchsten israelischen Feiertag Yom Kippur, greifen überraschend Ägypten und Syrien gemeinsam an. Israel steht am Rand einer Niederlage, gewinnt aber schließlich doch - dank amerikanischer Waffen. Golda Meir übernimmt die Verantwortung für den Krieg und tritt am 11. April 1974 als Ministerpräsidentin zurück. Ihr Nachfolger Menachem Begin und Ägyptens Staatschef Anwar el Sadat näher sich langsam an. 1977 spricht Sadat vor der Knesset und trifft auch Meir. Sie sagt ihm: "Ich möchte den Tag erleben, an dem Frieden ist zwischen uns und Ihnen und allen arabischen Nachbarn." Im Jahr darauf stirbt Golda Meir am 8. Dezember 1978 an Lymphdrüsenkrebs in Jerusalem.

Stand: 11.04.09