29. November 2009 - Vor 695 Jahren: Tod von König Philipp IV. von Frankreich

Stichtag

29. November 2009 - Vor 695 Jahren: Tod von König Philipp IV. von Frankreich

Philippe le Bel, den Schönen, nennen ihn bereits seine Zeitgenossen. In Aussehen und Haltung entspricht der 1268 geborene Sohn von Philipp III. dem Kühnen und Isabella von Aragón in perfekter Weise dem vorherrschenden Idealbild des edlen Ritters. Als sein Vater 1285 während eines Feldzugs in Perpignan ums Leben kommt, erbt Philipp IV. bereits als 17-Jähriger den Thron und wird im Januar 1286 in Reims zum französischen König gekrönt. In den folgenden 30 Jahren seiner Herrschaft erweist sich Philipp der Schöne als gerissener, ja skrupelloser Politiker, der das Fundament des Königtums nachhaltig verändert und die Grundlagen eines modernen Staats- und Rechtssystems schafft.

Von Beginn seiner Herrschaft an sieht sich Philipp IV. von großen Aufgaben herausgefordert. In Aquitanien muss er den widerspenstigen Lehensmann Edward I., der zugleich König von England ist, zur Räson bringen, was lange und teure Feldzüge zur Folge hat. Gleichzeitg brodelt es im Norden, wo sich die Grafen von Flandern aus dem französischen Joch befreien wollen. Jahrzehntelange blutige Waffengänge münden schließlich im Juli 1302 in die "Sporenschlacht" bei Kortrijk (Coutrai), in der das französische Heer vernichtend geschlagen wird. Um beide Kriege finanzieren zu können, ist Philipp nahezu jedes Mittel recht. Mit Hilfe hervorragend ausgebildeter Beamten, die er ohne Ansehen ihres Standes in den königlichen Rat beruft, schröpft Philipp IV. Adel, Bürgertum und Klerus bis zum Äußersten. Er scheut auch nicht davor zurück, mehr als 100.000 Juden und später die reichen Bankiers der Lombardei ausweisen zu lassen, um deren Vermögen zu requirieren. 

Tiefe Spuren in der Geschichte Frankreichs hinterlässt Philipp IV. durch die Vernichtung des einflussreichen Templerordens im Jahr 1307 und die Einziehung des beträchtlichen Ordensschatzes. Den folgenschwersten Machtkampf seiner Regierungszeit ficht der französische König mit dem Papst in Rom aus. Dort herrscht mit Bonifaz VIII. jener Stellvertreter Christi, der mit seiner Bulle "Unam Sanctam" rigoroser als jeder Vorgänger alle weltliche wie geistliche Oberhoheit für sich reklamiert. Statt sich diesem Omnipotenz-Anspruch zu beugen, geht Philipp IV. in die Offensive: 1302 stürmen seine Soldaten die päpstliche Sommerresidenz in Anagni und nehmen Bonifaz gefangen. Drei Monate später erliegt der fast 80-jährige Pontifex den Folgen dieses Gewaltaktes. Seine von Philipp beeinflussten und finanzierten Nachfolger verlegen den Sitz des Heiligen Stuhls 1309 nach Avignon, wo sie 70 Jahre lang zu Marionetten der französischen Könige herabgewürdigt werden.Wirkliche Leidenschaft empfindet der von Historikern als gefühlskalt, herzlos und anmaßend beschriebene König nur für die Jagd. Wochenlang treibt er sich im herrschaftlichen Wald von Fontainebleau herum, selbst wenn wichtige Regierungsentscheidungen anstehen. Im Herbst 1314 erleidet Philipp der Schöne dort einen schweren Unfall, an dessen Folgen er am 29. November 1314 im Alter von 46 Jahren stirbt.

Stand: 29.11.09