27. Oktober 2009 - Vor 105 Jahren: Eröffnung der New Yorker U-Bahn

Stichtag

27. Oktober 2009 - Vor 105 Jahren: Eröffnung der New Yorker U-Bahn

Zur Jahrhundertwende wird William Barclay Parsons zu einem der wichtigsten Männer New Yorks. Dank seiner großen Kenntnisse und seiner präzisen Vorstellungen steigt der erst 35-jährige Ingenieur  gegen den Willen seiner Kritiker zum Chefplaner eines der größten Projekte auf, das die Stadt je gesehen hat: Parsons soll den Verkehr der aus allen Nähten platzenden Metropole von der Oberfläche in einen 17 Meter breiten und 4,5 Meter hohen Tunnel längs unter Manhattan verbannen.

Nicht nur Parsons, auch der Plan der U-Bahn ist umstritten. Als zu teuer und zu gefährlich gilt das Unterfangen - nicht zuletzt wegen des brüchigen Felsgesteins und des hohen Grundwasserspiegels in der Region. Aber die Wahl des Chefingenieurs erweist sich als Glücksgriff. Tausende von Arbeitern heuert Parsons an, die in den Zechen Pennsylvanias, den Silberminen Colorados  oder den Gold- und Diamantenminen Südamerikas Erfahrungen gesammelt haben. Und er entlohnt sie mit 3 Dollar 75 weit über Durchschnitt. Bis zu 55 Meter lässt er den Tunnel in bergmännischer Manier in die Tiefe stoßen. Dieses Vorgehen erweist sich als überaus effektiv.Kurz vor Fertigstellung des Baus passiert unter dem New Yorker Stadtteil Washington Heights doch noch ein Unglück. Um den Zeitplan einzuhalten, werden die Vorarbeiter angehalten, die zwei Sprengungen täglich auf drei zu erhöhen. Zehn Menschen, vorwiegend Italiener, kommen bei einer solchen Sprengung ums Leben. Am 27. Oktober 1904 wird die erste Subway-Linie von Harlem bis zur City Hall, dem Rathaus, eröffnet. 28 Stationen liegen auf der 15 Kilometer langen Strecke. Danach entwickelt sich die New York City Subway  in rasantem Tempo weiter: 1940 hat das Streckennetz bereits annähernd die heutige Größe. Im selben Jahr übernimmt die Stadt die ursprünglich privaten Bahngesellschaften. Durch die New Yorker U-Bahn werden die einst dörflichen Stadtteile Brooklyn, Queens und Bronx  zu Millionenmetropolen.

Heute fährt die New York City Subway 24 Stunden ohne Unterbrechung, und das an 365 Tagen im Jahr. Auf 1355 Kilometern Gleisen befördert sie täglich über fünf Millionen Fahrgäste zwischen den 468 Stationen hin und her, sofern nicht irgendwo wieder einmal Wartungsarbeiten anstehen: in Manhattan sogar viergleisig oder neben- und übereinander. Längst ist die "Subway" im "Big Apple" der wichtigste Kern: Ohne sie wäre das Leben in New York wohl längst zusammengebrochen.

Stand: 27.10.09