22. August 2009 - Vor 5 Jahren: Raubüberfall auf das Osloer Munch-Museum

Stichtag

22. August 2009 - Vor 5 Jahren: Raubüberfall auf das Osloer Munch-Museum

Er ist Norwegens Staatsfeind Nr. 1. Bei gleich zwei Aufsehen erregenden Verbrechen, die das Königreich im Norden erschüttern, gilt der damals 28-jährige David Toska als Schlüsselfigur. So überfällt im April 2004 eine bewaffnete Bande das zentrale Gelddepot in Stavanger, erschießt einen Polizisten, raubt umgerechnet acht Millionen Euro und entkommt unerkannt. Vier Monate später, am 22. August 2004, stürmen zwei maskierte Männer in das Osloer Munch Museum. Vor den Augen etlicher Besucher halten sie die Wachen mit Schusswaffen in Schach. In einem der vorderen Erdgeschossräume reißen sie zwei Gemälde von der Wand. Nur 50 Sekunden nach der Erstürmung des Museums springen die Vermummten in einem wartenden Fluchtwagen und fliehen ungehindert.

Bei den erbeuteten Bildern, die nahezu ungesichert ausgestellt waren, handelt es sich um Edvard Munchs "Der Schrei" und die "Madonna", zwei der größten nationalen Kunstschätze Norwegens. Sie gelten als unschätzbare Meisterwerke des Expressionismus, weltweit bekannt und daher absolut unverkäuflich. Deshalb rechnet die Polizei mit bald eingehenden Lösegeldforderungen. Doch Museum und Fahnder warten vergeblich. Die Bilderräuber bleiben stumm und die nicht versicherten Gemälde spurlos verschwunden. Acht Monate dauert es, bis die Polizei einen ersten Fahndungserfolg erzielt. Sie verhaftet den Beschaffer des Fluchtautos, einen Kriminellen, der zum Freundeskreis des berüchtigten David Toska gehören soll. Den haben die Fahnder inzwischen als Kopf der Geldräuberbande von Stavanger ermittelt. Es entsteht der Verdacht, dass der spektakuläre Raub der Munch-Bilder nur einem einzigen Zweck dienen sollte: große Teile des norwegischen Polizeiapparates zu binden, um so den Fahndungsdruck auf die Stavanger-Gangster zu schwächen.

Trotz der Doppelbelastung gelingen den Ermittlern in beiden Kriminalfällen weitere Verhaftungen. Anfang April 2005 kann im spanischen Malaga auch der von Interpol gejagte Bandenchef David Toska festgenommen werden. Nur von Munchs Meisterwerken fehlt weiter jede Spur - bis Toska für den Gelddepot-Überfall zu 19 Jahren Haft verurteilt wird. Unbestätigten Mutmaßungen zufolge schlägt der Gangster nun der norwegischen Justiz einen überraschenden Deal vor: die Bilder im Tausch gegen Hafterleichterungen. Wenige Wochen später, am 1. September 2006, gelangen "Der Schrei" und die "Madonna" unter nicht näher bezeichneten Umständen in die Hände der Polizei. Beide Bilder weisen zum Teil erhebliche Schäden auf. Die als Räuber der Bilder angeklagten Männer werden deshalb neben ihren Haftstrafen von sieben und vier Jahren zu Schadensersatz in Höhe von rund 92 Millionen Euro an die Stadt Oslo verurteilt. Über David Toskas Haftbedingungen wird nichts bekannt.

Stand: 22.08.09