12. Mai 2009 - Vor 200 Jahren: Redewendung "Lieber ein Ende mit Schrecken..."

Stichtag

12. Mai 2009 - Vor 200 Jahren: Redewendung "Lieber ein Ende mit Schrecken..."

Anfang des 19. Jahrhunderts ist das alte Preußen zerschlagen: Napoléon Bonaparte  hat Berlin besetzt. König Friedrich Wilhelm III. ist mit seinem Hofstaat ins ostpreußische Memel geflohen. Deutsche Verschwörer knüpfen deshalb ein geheimes Netzwerk. Politiker, Militärs und Reformer wollen in Preußen einen Gegenschlag organisieren. "Es gab einen Generalplan für das Vorgehen gegen Napoléon ", sagt Veit Velske, Leiter des Preußen-Museums in Nordrhein-Westfalen. "Scharnhorst, Gneisenau, Freiherr von Stein - das waren die drei führenden Personen, die im Hintergrund standen." Ihr Plan: Preußische und österreichische Truppen greifen die französische Armee von zwei Seiten an. Gleichzeitig soll die Bevölkerung die Besatzungsmacht in einen Partisanenkrieg verwickeln. Anführer des Volksaufstandes soll der preußische Offizier Ferdinand von Schill werden.

Von Schill, geboren am 6. Januar 1776 im Wilmsdorf bei Dresden, gilt als militärischer Experte - und Draufgänger. Er war Ende 1806 an der erfolgreichen Verteidigung von Kolberg im preußischen Hinterpommern gegen die Franzosen beteiligt. In den Salons wird er wegen seiner Eleganz angehimmelt. Um ihn auch in der Bevölkerung populär zu machen, werden Torten und Gebäck in Form seiner Husaren-Mütze hergestellt. Gedichte, Lieder und Lithografien erzählen von seinen Heldentaten. Schon in früheren Kämpfen hat er sich mit seinem Freikorps als Meister des sogenannten kleinen Krieges profiliert. Der Aufstand der Bürger soll genau so organisiert werden: Kampf hinter den Linien, Geländeabschnitte einnehmen, feindliche Truppen überraschen.

Von Schill zieht im Frühjahr 1809 von Berlin aus mit einer kleinen Truppe seiner Husaren gegen Napoléon und seine Verbündeten. In den früheren preußischen Gebieten in Westfalen führt König Jérôme Bonaparte, Napoléons Bruder, ein gnadenloses Regiment. Dort, so hofft Schill, sollen sich Tausende Freiwillige seinem Aufstand anschließen. "Man wusste, dass die Herrschaft Jérômes alles andere als gefestigt war", sagt Velske. "Man versprach sich, dass in Westfalen die französische Herrschaft auf besonders tönernen Füßen stand." Von Schill unternimmt seinen Vorstoß eigenmächtig. Er will damit sowohl die Österreicher als auch den preußischen König zum Handeln zwingen. Doch der Aufstand scheitert. Nur wenige schließen sich an. Nach mehreren Gefechten gegen französische und westfälische Truppen weicht das Freikorps nach Norden aus. Von Schill gibt nicht auf. Am 12. Mai 1809 ruft er auf dem Marktplatz in Arneburg an der Elbe den Versammelten zu: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." 19 Tage später fällt von Schill im Straßenkampf in Stralsund. Napoléon lässt dem Leichnam den Kopf abschlagen und schickt ihn in Spiritus eingelegt seinem Bruder Jérôme als Siegestrophäe. Elf von Schills Offizieren werden hingerichtet und über 500 Soldaten auf Galeeren geschickt. Erst fünf Jahre später erhebt sich Preußen tatsächlich und besiegt Napoléon.

Stand: 12.05.09