24. September 2009 - Vor 270 Jahren: Grigori Alexandrowitsch Potjomkin geboren

Stichtag

24. September 2009 - Vor 270 Jahren: Grigori Alexandrowitsch Potjomkin geboren

"Sein Leben bestand aus einem einzigen Begehren, nicht jedoch aus dem Genuss, denn mit nichts war er zufrieden." So beschreibt der Berliner Slawistik-Professor Georg Witte den barocken Feldherrn und Politiker, der unter Zarin Katharina II. zum einflussreichsten Mann Russlands aufsteigt. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms ist Grigori Alexandrowitsch Potjomkin (alte Transliteration: Potemkin) ein wahrer Machtkoloss, dick und klunkerbehängt und zugleich so unter Dampf, dass er seine Fingernägel ständig blutig kaut. Ein hoch begabter Stratege und Staatsmann, der gemeinsam mit der aus Deutschland eingeheirateten Katharina, einer Prinzessin von Anhalt-Zerbst-Dornburg, den Aufstieg Russlands zur europäischen Großmacht vorantreibt.

Die beiden Emporkömmlinge begegnen einander erstmals 1762 in St. Petersburg, kurz nachdem die 33-jährige deutsche Prinzessin ihren Ehemann Peter III. abgesetzt und sich selbst zur Zarin ausgerufen hat. Katharina, deren Liebeshunger ebenso legendär ist wie ihre Machtlust, holt den am 24. September 1739 in der weißrussischen Provinz geborenen Gardeoffizier Potjomkin als Kammerherrn an ihren Hof. Sie verliebt sich in den neun Jahre jüngeren, damals noch ansehnlichen klugen Mann mit den gepflegten Manieren. Zwei Jahre, länger als jeder andere vor und nach ihm, ist Grigori Katharinas unumstrittener Favorit - sexuell wie intellektuell. Auch nach dem Ende ihrer intimen Beziehung bleiben sie enge Vertraute. Er sucht ihr den jeweils neuen Liebhaber aus, sie überhäuft ihn mit Geld, Titeln, Gütern und Menschen. Niemand in Russland außer der Zarin gebietet über mehr Leibeigene als Grigori Alexandrowitsch Potjomkin, der Fürst von Taurin.

Mit Potjomkin als Feldherrn und Organisator gelingt es Katharina, in die Fußstapfen Peters des Großen, des Begründers des russischen Zarenimperiums, zu treten. Sie will Russland als neues byzantinisches Kaiserreich bis zum Mittelmeer ausdehnen. Feldmarschall Potjomkin vertreibt für seine Zarin die Türken, erobert die südliche Ukraine und stößt bis zum Schwarzen Meer und der Halbinsel Krim vor. Dabei gelingt es ihm nicht nur, die rasch zunehmende Zahl muslimischer Untertanen politisch in den neu entstehenden Vielvölkerstaat zu integrieren. Potjomkin erweist sich auch als erfolgreicher Besiedler, der die vielfach nur spärlich bewohnten Territorien Neu-Russlands mit gezielt angeworbenen deutschen Fachkräften und Flüchtlingen aus dem Osmanischen Reich zu wirtschaftlicher Blüte führt.

Im Frühjahr 1787 unternimmt Potjomkin mit Katharina der Großen eine jahrelang detailgenau geplante bombastische Reise durch das neue Russland. Die blühenden Landschaften, die der Fürst seiner Zarin, begleitet von Europas Hochadel, dabei vorführt, existieren wirklich und sind keine "Potemkinschen" Kulissendörfer, wie lange Zeit im Westen gespottet wird. Die Kräfte zehrende Luxus-Sightseeing-Tour ist der Höhepunkt in Potjomkins aufreibendem Leben. Danach verfällt er zusehends und stirbt, zum fetten Potentaten erstarrt, am 16. Oktober 1791 mit nur 52 Jahren.

Stand: 24.09.09