Stichtag

12. November 2009 - Vor 80 Jahren: Geburtstag von Michael Ende

Im Jahr 1971 verlässt Michael Ende Deutschland. Der Schriftsteller flüchtet vor Kritikern, die ihm und seinen phantastischen Romanen Weltflucht vorwerfen. "Das war damals ihre einhellige Meinung: Nur sozialkritische, politisch engagierte und realistische Literatur sei Literatur. Alles was mit Phantasie zu tun hat, ist eine Literatur zweiter Kategorie, die den Menschen von den eigentlichen Problemen ablenkt", erinnert sich Michael Ende. Der deutsche Autor, der mit "Jim Kopf und Lukas der Lokomotivführer" eines der erfolgreichsten Kinderbücher des Jahres 1960 schrieb, zieht in die Villa Gentano südlich von Rom.

Michael Ende kommt früh mit phantastischen Welten in Berührung: Er wird am 12. November 1929 in Garmisch-Patenkirchen geboren; sein Vater ist der surrealistische Maler Edgar Ende. Michael Ende arbeitet nach der Schauspielschule zunächst als Darsteller und Dramatiker, spielt an Provinz-Bühnen und schreibt kleinere Theaterstücke. Mit dem Kinderbuch um Jim Knopf und den anderen Bewohnern des märchenhaften Lummerlands kommt der Durchbruch als Schriftsteller.

In Italien, das er - im Gegensatz zum kalten Norden - als magisch und inspirierend empfindet, schreibt er "Momo". Das Mädchen Momo rettet die Welt vor einer Diktatur der Leistung und Effizienz – symbolisiert durch die Zeit-Diebe. 1979 folgt sein international größter Erfolg: "Die unendliche Geschichte". Auch in diesem Roman rettet ein Kind die Welt, diesmal Phantásien. Seine Hauptfigur Bastian Balthasar Bux muss für die Kindliche Kaiserin einen neuen Namen finden und zahlreiche Abenteuer mit dem Glücksdrachen Fuchur und seinem Freund Atréju bestehen. Während der aufkommenden Fantasy-Welle avanciert "Die unendliche Geschichte" bei den jüngeren Lesern zum Kultbuch, renommierte Literaturkritiker nehmen es wieder nicht ernst. Dabei verhandelt Ende im märchenhaften Gewand die existenziellen Fragen des Lebens, wie Freundschaft, Glück und den sinnvollen Umgang mit der Zeit. Schließlich wird die erste Hälfte des Buches von Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen verfilmt. Zusammen mit seiner Frau Ingeborg geht Ende vehement gegen den Film vor: Dieser würde genau die leeren Löcher in die Phantasiewelt reißen, gegen die das Buch geschrieben sei. Den Prozess verliert er. Laut seinem langjährigen Verleger Roman Hocke, stirbt Endes Frau Ingeborg drei Tage nachdem sie den Film im Kino gesehen hat. Michael Ende kehrt nach Deutschland zurück und schreibt weiter; unter anderem erscheinen "Das Schnurpsenbuch" und "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch". Seine Bücher werden in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Trotz seines Erfolgs bei den Lesern bleibt Michael Ende jemand, der an sich zweifelt: "Mit dem, was ich bis jetzt geschrieben habe, bin ich nicht wirklich zufrieden. Ich habe immer das Gefühl, das eigentliche Buch muss ich noch schreiben." Der 65-jährige stirbt am 28. August 1995 bei Stuttgart an Magenkrebs.

Stand: 12.11.09