25. März 2009 - Vor 55 Jahren: Pius XII. über die "Heilige Jungfräulichkeit"

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25. März 2009 - Vor 55 Jahren: Pius XII. über die "Heilige Jungfräulichkeit"

"Nicht ohne Grund wird die Jungfräulichkeit eine engelgleiche Tugend genannt. Sie besitzt die Herrlichkeit der Auferstehung schon in dieser Welt und schreitet durch die Welt, ohne von ihr angesteckt zu werden." So schreibt Papst Pius XII. in seinem Lehrschreiben "Sacra Virginitas" (Die heilige Jungfräulichkeit), das am 25. März 1954 veröffentlicht wird - am Fest der Verkündigung Mariens. Der Papst will ein altes christliches Ideal begründen und verteidigen, das sich an der Mutter Jesu orientiert, die laut Tradition stets Jungfrau blieb.

Im Evangelium spricht Jesus zwar von einer freiwilligen Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen. Die meisten Apostel jedoch, einschließlich des Papst-Vorgängers Petrus, sind verheiratet. So bleibt auch in der alten Kirche der Verzicht auf Ehe und Sexualität ein Ausnahmeweg - populär gemacht durch Einsiedler und Klöster in einer Zeit, in der das Christentum römische Staatsreligion und dadurch immer weltlicher wird. Mönche und Theologen wie Augustinus begründen eine starke Abwertung aller Sexualität. Im elften Jahrhundert spricht der Mönch Petrus Damiani vom "Schmutz der Ehe".Auf dem Laterankonzil 1139 macht die römische Kirche den Zölibat zum Gebot für ihre Amtsträger. Die orthodoxe Kirche übernimmt dieses Eheverbot für Priester nie, die Reformation schafft es in den protestantischen Kirchen wieder ab. Pius XII. stemmt sich in seinem Schreiben 1954 vehement gegen den Zeitgeist und bezeichnet den Zölibat der Ehe als höheren Wert. Schon zehn Jahre später gibt das Zweite Vatikanische Konzil diese Wertung offiziell auf. Das Heiratsverbot für Priester bleibt jedoch bestehen - trotz Priestermangel und obwohl weltweit etwa 20 Prozent aller Priester ihr Amt für eine Beziehung aufgeben. (Die Zahl derer, die heimlich beides praktizieren, ist unbekannt.)

Die Auseinandersetzung um den Priesterzölibat verdeckt weitgehend, dass es die alte Form freiwilliger Jungfräulichkeit auch von Nichtpriestern immer noch gibt. Die katholische Kirche erteilt Frauen dafür bis heute die sogenannte Jungfrauenweihe. Wer sie empfängt, legt ein persönliches Gelübde ab, lebt aber in keinem Kloster und übt meist auch einen "weltlichen" Beruf aus. In Deutschland leben nach kirchlichen Angaben derzeit 150 solcher geweihten Jungfrauen.

Stand: 25.03.09