14. Dezember 2009 - Vor 35 Jahren: Fußballspieler Fritz Szepan stirbt in Gelsenkirchen

Stichtag

14. Dezember 2009 - Vor 35 Jahren: Fußballspieler Fritz Szepan stirbt in Gelsenkirchen

An seinem ersten Schultag bringt der Vater den kleinen Fritz Szepan zur Schule. Da sieht der Junge eine Blechdose auf dem Bürgersteig liegen. "Die Blechdose muss hier fort", geht es dem Sechsjährigen laut späterer Erinnerung durch den Kopf: Es ist wie ein innerer Zwang zum Schuss. "Die Blechdose flog fort – und ich bekam einen in den Nacken."Geboren wird Fritz Szepan 1907 in Gelsenkirchen. Von Kindesbeinen an schlägt sein Herz für den Fußball, aber die Eltern sind strikt dagegen. Szepan spielt heimlich auf Schalke und geht mit in die Hosentaschen gesteckten Socken aus dem Haus: Der Rest der Kleidung wird ihm vom Verein gestellt. Als die Mutter Wind vom Geheimkick ihres Sohns bekommt, verbietet sie ihm das Training. Erst als Szepan droht, dann vielleicht mit dem Boxen anzufangen, wählt sie das geringere Übel und lässt ihn gewähren.

Mit 17 Jahren wird Szepan von Schalke-Star Ernst Kuzorra  in die erste Mannschaft geholt. "Ärnst, watt willze mit die lahme Krücke?" sollen Vereinskollegen gespottet haben. An Kuzorras Seite aber perfektioniert Szepan den so genannten Schalker Kreisel: ein System aus fließenden Kombinationen, ständigen Positionswechseln und raffiniertem Kurzpassspiel. "Unser Spiel lief nachher fast maschinenmäßig, wie eine Uhr", wird sich Kuzorra erinnern. "Es sah immer aus, als wenn wir nicht gelaufen wären. Aber das Gegenteil ist gewesen: Wir sind immer leicht gelaufen und ohne Kraft."

Der Schalker Kreisel spielt die Gegner schwindelig. Zwischen 1933 und 1942 steht Szepan mit Schalke neun Mal im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Sechs Mal holt die Mannschaft den Titel, einmal gewinnt sie im Berliner Olympiastadion mit 9:0. 1937 wird Szepan mit Schalke Pokalsieger. Er wird Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und nimmt an zwei Weltmeisterschaften teil.Beruflich versucht sich Szepan neben seiner Fußballerkarriere unter anderem als Gastwirt, Tankstellenbesitzer und Textilkaufmann. Als die Nationalsozialisten die jüdischen Eigentümer des Kaufhauses Julius Rode & Co enteignen, übernimmt er 1938 das Geschäft. Zudem unterzeichnet er im "Völkischen Beobachter" einen Wahlaufruf für die Nationalsozialisten und wird in den Reichsführerrat berufen. Wegen dieser Verstrickungen scheitert 2002 eine Initiative, in Gelsenkirchen eine Straße nach dem Fußballstar zu benennen.Fritz Szepan stirbt am 14. Dezember 1974 in seiner Geburtsstadt. Tausend Menschen kommen zur Beerdigung. Selbst nach seinem Tod scheint der einstige Meister des Schalker Kreisels seine Umgebung noch verwirren zu können: Eine Zeit lang laufen die Trauergäste hinter dem falschen Sarg her.

Stand: 14.12.09