18. Oktober 2009 - Vor 155 Jahren: In Bremen eröffnet das erste Seemannsheim

Stichtag

18. Oktober 2009 - Vor 155 Jahren: In Bremen eröffnet das erste Seemannsheim

Um die christliche Seefahrt macht Pastor Johann Hinrich Wichern sich Sorgen. An den Häfen im In- und Ausland herrscht Sodom und Gomorrha. Überall werden Matrosen, die an Land vor Anker gehen, von geldgierigen Gastwirten und Logierherren ausgenutzt.1848 fordert der junge Geistliche die Kirche deshalb beim ersten evangelischen Kirchentag in der Lutherstadt Wittenberg auf, sich auch der notleidenden und in Versuchung geratenen Seefahrer anzunehmen. Kurz darauf ist bereits der erste deutsche Seemannspastor per Schiff nach England unterwegs, um sich dort der "Mission to Seamen" zu widmen.

In Deutschland nimmt sich zunächst nicht die Kirche, sondern ein gottesfürchtiger Reeder die Worte Wicherns zu Herzen. In Bremen gründet Friedrich Martin Vietor am 18. Oktober 1854 das erste Seemannsheim. Es soll "dem ehrenwerten Stand der Seeleute, wenn sie nach beschwerlicher Fahrt glücklich zurückgekehrt sind, eine angenehme und ruhige Zuflucht während ihres Aufenthalts an Land" gewähren. Im Gegenzug erwartet Vietor von den Matrosen und Schiffsjungen ein "nüchternes und anständiges Betragen"; Alkohol ist in den Räumen verboten. Kirchgang wird nicht vorgeschrieben, ist aber mehr als gern gesehen.Vietors Initiative wird der Deutschen Seemannsmission zum Vorbild. Als christliche Einrichtung für die sozialen Belange der Seefahrer nimmt sich der eingetragene Verein mit starker Kirchenbindung seit Mitte des 19. Jahrhunderts jener Matrosen an, die an Land nicht stranden sollen. Dazu gehört auch die Gründung von Seemannsheimen auf der ganzen Welt. 1906 entsteht in Hamburg das erste davon. Heute engagieren sich rund 700 Mitarbeiter für die Deutsche Seemannsmission. An fast 40 Standorten sorgen sie sich um das Wohl der Matrosen und geben ihnen an Land eine Bleibe, die längst nicht mehr nur zum Übernachten dient: Viele Seemannsheime verstehen sich als Clubs, in denen Seefahrer aus aller Herren Länder miteinander reden, telefonieren, E-Mails  an ihre Familien schicken oder sich seelsorgerisch betreuen lassen können.

Wegen der internationalen Ausrichtung und des sinkenden Ansehens der Seefahrt wurde das alte Motto "Lass fallen Anker" der Seemannsmission inzwischen aufgegeben. Es dient lediglich noch einer Vereinszeitschrift als Titel. Heute gilt die Sorge der Deutschen Seemannsmission dem "Support of Seafarer's Dignity" - der Unterstützung der Würde des Matrosen.

Stand: 18.10.09