09. April 2009 - Vor 20 Jahren: Demonstration in Georgien niedergeschlagen

Stichtag

09. April 2009 - Vor 20 Jahren: Demonstration in Georgien niedergeschlagen

Im Frühjahr 1989 sieht die Landkarte von Europa ganz anders aus als heute. Die Bundesrepublik und die DDR sind noch zwei eigenständige Staaten. Auch die Sowjetunion existiert noch. Michail Gorbatschow, Generalsekretär der KPdSU, hat mit seiner Politik der Öffnung begonnen: "Glasnost" (Transparenz) und "Perestroika" (Umgestaltung) sind seine Schlagworte. Sie nähren die Hoffnung, dass in der Sowjetunion bald Meinungsfreiheit zugelassen werden könnte. In vielen Sowjetrepubliken bilden sich Unabhängigkeitsbewegungen - so auch in Georgien. Zur "Grusinischen Sozialistischen Sowjetrepublik", wie Georgien damals offiziell heißt, gehören weite Teile des Kaukasus-Gebirges. Im Westen grenzt sie an das Schwarze Meer, im Süden an die Türkei. Abchasien und Südossetien sind ihr als teilautonome Gebiete angegliedert.

In Tiflis, der georgischen Hauptstadt, finden Anfang April 1989 immer wieder Massendemonstrationen statt. Bis zu 100.000 Menschen nehmen daran teil. Auslöser dafür ist ein Streit um den Status Abchasiens: Vertreter der abchasischen Minderheit fordern eine Lostrennung ihrer autonomen Republik von Georgien. Dagegen protestieren die georgischen Demonstranten. In Sprechchören und auf Transparenten verlangen sie aber auch ein von Moskau unabhängiges Georgien. Das geht offenbar zu weit: Am 9. April 1989 lösen russische Truppen gegen vier Uhr morgens gewaltsam eine friedliche Kundgebung auf dem Rustaweli-Platz auf. Mit Panzern bricht die Rote Armee in die Menge. Soldaten setzen Giftgas ein und erschlagen Demonstranten mit Spaten. 16 Menschen werden getötet. Wer den Einsatzbefehl gegeben hat, ist bis heute nicht bekannt. Der sowjetische Staats- und Parteichef Gorbatschow bestreitet, davon gewusst zu haben.

Der Befehl für den Kampfeinsatz in Tiflis ist einer der ersten Schritte zur Auflösung der Sowjetunion. Die Unabhängigkeitsbewegungen fühlen sich durch das brutale Vorgehen bestärkt. Am 9. April 1991, genau zwei Jahre nach der Niederschlagung des Protests in Tiflis, erklärt sich Georgien für unabhängig. Bald darauf hört die Sowjetunion auf zu existieren: Am 25. Dezember 1991 gründet sich die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Im Jahr darauf schafft Georgien die Autonomierechte von Abchasien und Südossetien ab. Es kommt zu kriegerischen Auseinandersetzungen um diese Gebiete.

Stand: 09.04.09