06. Mai 2009 - Vor 150 Jahren: Alexander von Humboldt stirbt

Stichtag

06. Mai 2009 - Vor 150 Jahren: Alexander von Humboldt stirbt

Alexander von Humboldt liebt die Natur. Und er ist ein Mann mit Visionen. Die wichtigste ist wohl die, dass er den Gesetzen des gesamten Kosmos auf den Grund gehen will. "Ich habe einen tollen Einfall, die ganze materielle Welt, alles, was wir heute von den Erscheinungen der Himmelsräume und des Erdenlebens, von den Nebelsternen bis zur Geographie der Moose und der Granitfelsen wissen, in einem Werk darzustellen", beschreibt er seinen Plan. Diese Universalgeschichte des Universums wird er tatsächlich schreiben, wenn auch nicht vollenden.

Humboldt wird 1769 als Sprössling einer preußischen Adelsfamilie auf Schloss Tegel in Berlin geboren. Er ist ein kränkelndes Kind, sein Bruder Wilhelm gilt als intelligenter und soll studieren. Alexander weiß nicht, was er werden soll. Nach halbherzigen Studien in Frankfurt an der Oder, Göttingen und Hamburg beginnt er in Freiburg ein Bergbaustudium, das ihm das wissenschaftlich-analytische Verfahren näher bringt. 1796 stirbt seine Mutter und vermacht ihm ein Vermögen, mit dem er als wissenschaftlicher Weltenbummler um die Erde reisen kann.Humboldt schifft sich auf der Fregatte Pizarro nach Südamerika ein, sammelt Pflanzen, Steine und Fossilien. Fünf Jahre verbringt er gemeinsam mit seinem Gefährten Aimé Bonpland  in den spanischen Kolonien. Als er 1804 nach Europa zurückkehrt, hat er rund 60.000 Fundstücke sowie Daten aus zahllosen Vermessungen im Gepäck. Danach wird die Auswertung seiner Reise sein Lebensinhalt.In der Folge pendelt Humboldt  zwischen Berlin und dem damaligen Zentrum der Wissenschaft Paris hin und her.  Die Stellung als Kammerherr des preußischen Königs sichert ihm ein Grundeinkommen. Mit ihrer Hilfe unternimmt er diplomatische Reisen, trifft mit Wissenschaftlern aus aller Welt zusammen und korrespondiert mit noch mehr anderen - rund 50.000 Briefe soll er geschrieben haben. Und er arbeitet an seinem "Kosmos" genannten, unvollendet gebliebenen Hauptwerk, das, beseelt von seinem demokratischen Geist und seiner vielstimmigen Denkweise, die ganze Welt erklären will.

Alexander von Humboldt stirbt am 6. Mai 1859 in Berlin. Heute gilt er als letzter großer Universalgelehrter, der Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Vulkanologie, Botanik, Zoologie, Klimatologie, Ozeanographie und Astronomie, aber auch Wirtschaftsgeographie, Ethnologie, Demographie, Geschichtswissenschaft, Altamerikanistik und Philologie befruchtet hat. Das national gesinnte Deutschland vergisst den Freigeist lange. Seine Weltgeltung als Weltbeschreiber ist heute unbestritten.

Stand: 06.05.09