Starterlaubnis "durch die Hintertür"

Stichtag

Starterlaubnis "durch die Hintertür"

Anfang Oktober 1959 landet eine amerikanische "Boeing 707" in Düsseldorf-Lohausen - zu Testzwecken. Es geht um die Frage, ob der Flughafen ein Ziel für Düsenmaschinen werden soll. Bereits seit einem halben Jahr fliegt dazu die "Caravelle ", ein französisches Düsenflugzeug, mit einer Sondergenehmigung nach Düsseldorf. Doch die Angelegenheit ist umstritten: Zwar wächst im beginnenden Jet-Zeitalter die Zahl der Fluggäste. Andererseits hat der Flugverkehr in Düsseldorf mit rund 650.000 Passagieren pro Jahr bereits eine Dimension erreicht, die den Anwohnern Angst macht. Heimatvereine bezeichnen die stetig steigende Lärmbelastung als "Bürgerkrieg".

Aufgrund des Widerstandes soll eigentlich nicht der stadtnahe Düsseldorfer, sondern der vergleichsweise abseits gelegene Kölner Flughafen zum ersten interkontinentalen Start- und Landeplatz für Düsenjets in Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden. Bereits 1958 hat sich Landesverkehrsminister Hans Lauscher ( CDU ) gegen Düsseldorf ausgesprochen. Neben der Lärmbelästigung und den fehlenden Sicherheitsflächen für an- und abfliegende Düsenflugzeuge führt er damals die Zugverbindung zwischen Dortmund und Köln an: "Wir halten es für zu gefährlich, eine solch stark befahrene Bahnstrecke mitten im Flugfeld zu haben."Es gibt jedoch noch ein weiteres Argument gegen Düsseldorf, wie der Fachautor Josef Krauthäuser erklärt: "Die Politiker haben 1958 deshalb auf Köln gesetzt, weil vom Bund her der Druck entstand, Bonn als Bundeshauptstadt solle einen eigenen Flughafen haben." Doch der Flughafen Köln/Bonn hat letztlich keine Chance, denn der Standort Düsseldorf ist um mehrere Jahre voraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich dort immer mehr Fluggesellschaften etabliert, sind Abflughallen entstanden und Landebahnen verlängert worden. In Köln dagegen wachsen lange Zeit noch üppige Blumenbeete. Dem zivilen Luftverkehr ist auf dem britischen Militärflughafen in Köln-Wahn zunächst nur wenig Platz zugestanden worden.

Am 8. Oktober 1959 besiegelt die NRW -Landesregierung schließlich die politische Kehrtwende: Das Kabinett entscheidet, dass Düsenverkehrsmaschinen aller Typen auf dem Flughafen Düsseldorf-Lohausen landen dürfen. Minister Lauscher gibt den Beschluss einen Tag später bekannt: "Wir müssen dem Fortschritt entgegenkommen, ohne von unserer Haltung abzugehen, dass kein stärkerer Fluglärm als bisher geduldet wird." Zu diesem Zeitpunkt gilt in Düsseldorf bereits ein Nachtflugverbot von 22 bis sechs Uhr - es ist noch heute in Kraft. Die Gegner des Düsenjet-Betriebs sprechen dennoch von einer rücksichtslosen Entscheidung "durch die Hintertür".

Stand: 08.10.09