09. März 2009 - Vor 700 Jahren: Papst Clemens V. lässt sich in Avignon nieder

Stichtag

09. März 2009 - Vor 700 Jahren: Papst Clemens V. lässt sich in Avignon nieder

1294 geschieht etwas bis heute Einmaliges in der Kirchengeschichte: Ein Papst tritt zurück. Coelestin V., mehr Mönch als Politiker, ist zermürbt von der Auseinandersetzung mit dem französischen König Philipp IV. Der möchte die Kirche dominieren, Bischöfe einsetzen, den Klerus besteuern. Die Kardinäle reagieren, indem sie 1296 Bonifaz VIII. zum Papst wählen. Der energische Mann nimmt die Herausforderung an: Er erklärt die Oberhoheit der geistlichen über die weltliche Gewalt und zitiert den französischen König kurzerhand in den Vatikan. Der Konflikt eskaliert: 1303 stürmt ein französisches Kommandounternehmen die päpstliche Sommerresidenz in Anagni, 60 Kilometer vor Rom. Bonifaz wird gefangengenommen, flieht jedoch durch die Kanalisation - und stirbt wenig später.

Auch der Nachfolger, Benedikt XI., stirbt wenige Monate nach der Wahl. Sein Nachfolger wird nach Wahlauseinandersetzungen, die über ein Jahr dauern, Bertrad de Got, der Erzbischof von Bordeaux. Die Franzosen haben sich durchgesetzt. De Got, der sich nun Clemens V. nennt, zieht nicht nach Rom, sondern lässt sich am 9. März 1309 in Avignon nieder. Der Nachfolger des Petrus und Bischof von Rom hat damit seine eigene Residenz aufgegeben. Clemens ernennt zehn neue Kardinäle, neun davon Franzosen. Als König Philipp verlangt, den Ritterorden der Templer zu verbieten, um sich dessen Vermögen aneignen zu können, widersetzt sich Clemens zunächst. Als der König verhafteten Templern unter Folter Skandal-Geschichten abpresst, beugt sich der Papst.

In den kommenden Jahren wird der Papstpalast in Avignon zu einer stattlichen Residenz ausgebaut. Ein riesiger Verwaltungsapparat beschäftigt sich vor allem damit, über Abgaben und Posten-Verkauf die Einnahmen zu steigern. Darunter leidet das Image  des Papsttums. Einflussreiche fromme Frauen wie Katharina von Siena und Brigitta von Schweden bedrängen den Papst, nach Rom zurückzukehren. Clemens' Nachfolger Gregor XI. tut dies schließlich 1378. Die Folge: Nach seinem Tod können sich die Kardinäle nicht mehr einigen. Am Ende werden zwei Päpste gewählt - einer residiert in Rom, einer in Avignon. Beide exkommunizieren ihre Anhänger, so dass schließlich die gesamte Christenheit gespalten ist. Ein weiterer Einigungsversuch führt dazu, dass es sogar drei Päpste gibt. 1417 setzt das Konzil von Konstanz sie alle ab und wählt einen neuen Papst. Der letzte Gegenpapst aus Avignon geht ins Exil auf die Halbinsel Peniscola  bei Valencia.

Stand: 09.03.09