17. August 2009 - Vor 225 Jahren: Joseph II. erlaubt den "Heurigen" in Österreich

Stichtag

17. August 2009 - Vor 225 Jahren: Joseph II. erlaubt den "Heurigen" in Österreich

Kaiser Joseph II. will Reformen. Kaum hat er die Regentschaft von seiner Mutter Maria Theresia übernommen, drängt es den Monarchen, den Regierungskurs radikal zu verändern. Er lässt Krankenhäuser bauen und beendet die Leibeigenschaft. Er zeigt den Bauern persönlich, wie man besser pflügen kann. Im Zeichen es Fortschritts schafft er Feiertage ab und verbietet sogar Särge: Um Geld zu sparen, sollen die Österreicher fortan im Leinensack beerdigt werden. Nur das Weintrinken will Joseph II. seinen Untertanen weiterhin erlauben, vor allem in Wien. Dort gilt Wein als Grundnahrungsmittel Nummer eins.

Auch die Erlaubnis zu exzessivem Weingenuss hat beim Kaiser einen rationalen Grund. Denn das Wiener Wasser ist ungenießbar. In der Stadt an den östlichen Ausläufern der Alpen, an deren Hängen schon zu Zeiten der Römer Weinreben wuchsen, fließt noch nicht die regulierte Donau. Wasser kommt aus sumpfigen Tümpeln. Allerdings ist dem Kaiser die Vorherrschaft der Kirche beim Weinverkauf ein Dorn im Auge. In Wien haben Stifte und Klöster Höfe und Keller eingerichtet, um auszuschenken. Die Bauern müssen den Wein, der teuer weiterverkauft wird, billig an sie abliefern.Am 17. August 1784 gibt Joseph II. per Verordnung "jedem die Freiheit, die von ihm erzeugten Lebensmittel, Wein und Obstmost zu allen Zeiten des Jahres, wann und zu welchem Preis er will, zu verkaufen und auszuschenken". Es ist die Geburtsstunde des als Heuriger bekannten Buschenschanks in Österreich. Fortan zieht es vor allem die Wiener in die benachbarten Weinberge, wo die Weinbauern ihre Produkte an schlichten Holztischen, oft im Freien, zu günstigen Preisen anbieten. Das Essen bringt man zumeist selbst mit in die Lokale. Ob ein Heuriger geöffnet hat, zeigt ein gut platzierter Föhrenbusch an. Ist die Weinernte vertrunken, muss der Buschenschank wieder schließen. Die ersten Heurigen haben deshalb oft nur wenige Wochen, bestenfalls ein paar Monate geöffnet.

Seit dem 19. Jahrhundert sorgt die so genannte Schrammelmusik mit Geige, Gitarre, Klarinette und Akkordeon in den Wiener Heurigen für die volkstümliche Unterhaltung. Heute werden in manchem Buschenschank auch Qualitätsweine und warme Buffets angeboten. Geöffnet ist oftmals das ganze Jahr.

Stand: 17.08.09