11. November 2009 - Vor 125 Jahren: Alfred Brehm stirbt in Renthendorf

Stichtag

11. November 2009 - Vor 125 Jahren: Alfred Brehm stirbt in Renthendorf

Die Stubenfliege ist dem Menschen "ein treuer, in der Regel recht lästiger, unter Umständen unausstehlicher Begleiter". Zudringlich sei das Geschöpf, naschhaft und "süchtig, alles und jedes zu besudeln". So jedenfalls sieht es Alfred Brehm. Und er schreibt es nieder, in seinem weltberühmten "Thierleben", das am Ende auf zehn Bände anwachsen wird. Das populäre Werk bringt Brehm den Ruf ein, ein "Tiermaler mit Worten" zu sein. Vor allem aber versucht der Zoologe, jedem Tier einen menschlichen Charakter zu verleihen. Von der Lungenschnecke bis zum Geparden, vom Krebsbeutler bis zum Gorilla, von der Warzenschlange bis zum Faultier hat bei Brehm jedes Wesen seinen besonderen Charakter.

Geboren wird Brehm 1829 als Sohn eines Seelsorgers und berühmten Vogelkundlers im thüringischen Renthendorf. Der "Vogelpastor" nimmt seinen Sohn schon früh mit in die heimischen Wälder. Trotzdem will dieser zunächst nicht Zoologe werden, sondern Häuser bauen. Nach einer Maurerlehre beginnt er deshalb 1846 in Dresden ein Architekturstudium. Ein halbes Jahr später macht ein gewisser Baron von Müller Brehm den Vorschlag, ihn auf seiner Afrikaexpedition zu begleiten. Der erst 18-Jährige geht begeistert auf große Fahrt. Gut anderthalb Jahre soll die Reise dauern; am Ende ist Brehm fünf Jahre unterwegs. Danach studiert er Zoologie in Jena.Brehms als Dissertation anerkannte "Reiseskizzen aus Nordostafrika" (1855), die von den Abenteuern und Begegnungen der Expeditionsteilnehmer berichten, werden ein großer Erfolg. Maßgeblich daran beteiligt ist schon hier Brehms Vermögen, seinen Lesern die exotische Tierwelt anschaulich näher zu bringen. "Die Augen des Unholds blitzten grimmiger", heißt es etwa über das Zusammentreffen mit einem Gorilla, "der Kamm des kurzen Haares, welcher auf seiner Stirn steht, legte sich auf und nieder; er zeigte seine mächtigen Fänge und wiederholte das donnernde Brüllen."

1858 übersiedelt Brehm nach Leipzig, um sich als freier Schriftsteller zu verdingen. Weil er mit seiner Ehefrau Mathilde eine Familie gründen will - schließlich werden es fünf Kinder sein -, nimmt er später eine finanziell sichere Stelle als Naturkundelehrer an. 1862 begleitet er den Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha auf eine Jagdexpedition nach Ägypten, ein Jahr später wird er erster Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg.Berühmt aber wird Brehm mit seinem "Thierleben", das sich wohltuend von den trocken geschriebenen Wissenschaftsbüchern seiner Zeit abhebt und schon bald als Bestseller in keiner gutbürgerliche Stube fehlen darf. Er stirbt am 11. November 1884 in seiner Geburtsstadt Renthendorf.

Stand: 11.11.09