16. Dezember 2009 - Vor 150 Jahren: Wilhelm Grimm stirbt in Berlin

Stichtag

16. Dezember 2009 - Vor 150 Jahren: Wilhelm Grimm stirbt in Berlin

Wilhelm und Jacob Grimm sind unzertrennlich. Wenn das Schicksal die Brüder aber dennoch einmal auseinander reißt, schreiben sie sich Briefe. Auch als Jacob seinen Jura-Professor nach Prag begleiten darf, greifen sie zur Feder. "Alle Tage außer Sonntag auf der Bibliothek", unterrichtet Jacob den Bruder. "Ich habe daran gedacht, ob Du nicht in Paris einmal unter den Manuskripten nach alten deutschen Gedichten und Poesien suchen könntest", antwortet Wilhelm.

Wilhelm Karl Grimm wird 1786, ein Jahr nach Jacob, in Hanau geboren. Der Vater stirbt früh; seiner Frau und den sechs Kindern hinterlässt er nichts. Eine Tante nimmt sich der beiden ältesten Söhne an und finanziert ihnen ein Jurastudium, mit dem Wilhelm und Jacob in die Fußstapfen des Vaters treten sollen. Beider Leidenschaft aber gilt der deutschen Sprache und ihrer literarischen Überlieferung. Während sich Jacob mehr in die Grammatik und Sprachwissenschaft vertieft, gilt Wilhelms Interesse mehr mittelalterlichen Stabreimen und der "Volkspoesie".1803 lernen die Gebrüder Grimm in Marburg die Romantiker Clemens Brentano und Achim von Arnim kennen. Unter ihrem Einfluss beginnen sie ab 1806, unter reger Mithilfe der Erinnerungen einiger junger Damen des Kasseler Bürgertums Märchen aufzuschreiben. Die erste Ausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" kommt sechs Jahre später heraus. Vor allem Wilhelm wird Zeit seines Lebens an der Sammlung feilen und sie mit dem typisch Grimmschen Märchenton versehen. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Herausgabe deutscher Heldensagen, wobei er die Tinte auf vergilbten Pergamentblättern teils "durch ein chemisches Mittel wieder lesbar" macht.

Von 1814 bis 1829 arbeitet Wilhelm Grimm als schlecht bezahlter Bibliothekssekretär in Kassel. Zu dieser Zeit lebt er mit Jacob und einem jüngeren Bruder in einer Wohngemeinschaft, in der die Schwester Lotte für den Haushalt verantwortlich ist. Als diese heiratet und auszieht, nimmt der geselligere Wilhelm 1825 Henrietta Dorothea ("Dortchen") Wild zur Frau.1830 ziehen die Brüder Grimm nach Göttingen um, wo sie Professorenstellen erhalten. Als ihr Dienstherr Ernst August II., König von Hannover, die Rechte seiner Untertanen beschneiden will und die Verfassung außer Kraft setzt, protestieren sie als Teil der "Göttinger Sieben" 1837 dagegen und werden des Landes verwiesen. Danach gehen sie auf Einladung Friedrich Wilhelms IV. nach Berlin, wo Wilhelm Grimm an der Universität lehren kann. Gemeinsam arbeiten sie dort auch an ihrem Mammutprojekt, dem "Deutschen Wörterbuch".Wilhelm Grimm stirbt am 16. Dezember 1859 in Berlin, kurz nach Abschluss der Arbeiten am Buchstaben D. Sein Bruder überlebt ihn um vier Jahre. Beim Buchstaben F kommt er bis "Frucht". Gemeinsam gelten die Gebrüder Grimm als Urväter der Germanistik.

Stand: 16.12.09