03. Juli 2009 - Vor 775 Jahren: Ordensstifter Dominikus wird heilig gesprochen

Stichtag

03. Juli 2009 - Vor 775 Jahren: Ordensstifter Dominikus wird heilig gesprochen

Am 3. Juli 1234 spricht Papst Gregor IX. den Spanier Domingo de Guzmán heilig - 13 Jahre nach dessen Tod. Ordensgründer Dominikus selbst hat sich diese Ehrung vermutlich nicht gewünscht. "Er wollte nicht auf irgendeinem Podest stehen", sagt Dominikanerpater Gerfried Bramlage. Auch dessen damalige Ordensbrüder hätten sich nicht um eine Heiligsprechung bemüht. Sie hätten vielmehr, so Bramlage, die Verehrer und Anhänger verscheucht, die am Grab beten wollten. Erst zehn Jahre nach Dominikus' Tod kommt Bewegung in die Angelegenheit: Als die Kirche von Bologna erweitert werden soll, werden die Gebeine aus dem Grab genommen und in einen neuen Sarkophag gelegt. "Da hatten dann die Stadt Bologna und der Bischoff Interesse, dass er heilig wird", sagt Bramlage.

Vermutlich steht hinter der Heiligsprechung von Dominikus ein gezieltes Interesse der römisch-katholischen Kirche: Die eigene Machtposition soll gestärkt werden. Denn zu dieser Zeit macht die Glaubensbewegung der Katharer, die sich als die wahren Christen bezeichnen, Rom Konkurrenz. Die Katharer ziehen im 13. Jahrhundert wie biblische Apostel durch Europa: arm und bescheiden. Sie vertreten erfolgreich eine Art Zurück-zu-den-Wurzeln-Christentum. Ihr Feinbild: die reiche römische Kirche. Sie schrecken auch vor Attentaten nicht zurück. Aus der Bezeichnung Katharer, die auf das griechische Wort für 'rein' zurückgeht, leitet sich später der Begriff Ketzer ab.

Ein heilig gesprochener Dominikus ist für den Vatikan wertvoll, weil dieser bereits zu Lebzeiten gegen die Katharer agiert. Dominikus, um 1170 in Caleruega geboren, ist ein hoch gebildeter Kleriker aus Kastilien. Nach einer Reise zum Papst werden er und sein Bischof 1206 beauftragt, im südfranzösischen Languedoc gegen die Katharer zu predigen. Den beiden ist bald klar: Mit dem protzigen Auftreten der offiziellen Kirche können sie die Menschen nicht überzeugen. Deshalb sind die beiden - wie die Kirchenkritiker auch - als arme Wanderprediger unterwegs. Ihre Taktik: Wir müssen so bescheiden leben wie die Katharer, aber predigen wie die Kirche. Für Dominikus zählt dabei allein das Wort.Auch während des sogenannten Albingenser-Kreuzzugs gegen die Abweichler setzt Dominikus seine Wanderpredigten fort. 1215 gründet er schließlich seinen Predigerorden und schickt seine ersten Anhänger an die damals berühmten Universitäten. Denn vor der Predigt steht das Studium, so Dominikus. Der Orden wird dabei ausdrücklich von Rom unterstützt. Die Kirche kann gelehrte Brüder gut brauchen. Mit der Heiligsprechung sichert sich der Vatikan auch die Loyalität der Dominikaner. Der Orden stellt sich später in den Dienst der päpstlichen Inquisition. Aber er bringt auch Gelehrte wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Meister Eckhart hervor.

Stand: 03.07.09