23. Juli 2008 - Vor 15 Jahren: Strafverschärfung für Kinderpornografie

Stichtag

23. Juli 2008 - Vor 15 Jahren: Strafverschärfung für Kinderpornografie

Nach Schätzungen werden weltweit jährlich rund 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen Opfer sexueller Gewalt. Allein in Deutschland sollen pro Jahr 15.000 bis 20.000 Kinder sexuell missbraucht werden. Die Dunkelziffer wird mindestens vier Mal so hoch geschätzt. Oft wird der Missbrauch gefilmt, fotografiert und als Pornografie verkauft. Die vorwiegend männlichen Täter gehören allen Alterstufen, Berufsgruppen und gesellschaftlichen Schichten an. 50.000 bis 60.000 Pädophile soll es in der Bundesrepublik geben. Die Befriedigung ihrer Neigung ist ein Geschäft: Eine Internetseite mit Kinderpornografie soll ihrem Betreiber durchschnittlich rund 30.000 Dollar Gewinn pro Monat bringen. Zwölf Milliarden Dollar werden schätzungsweise jedes Jahr mit Kinderprostitution und Kinderpornografie verdient.

Anfang der 1990er Jahre werden in der Bundesrepublik eine Reihe von Gesetzen beschlossen, um den Missbrauch einzudämmen. Erstmals wird 1993 der Besitz kinderpornographischer Darstellungen unter Strafe gestellt. "Dem Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch dient nicht zuletzt auch eine effektive strafrechtliche Verfolgung der Täter", sagt damals Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ( FDP ). Am 23. Juli 1993 unterschreibt Bundespräsident Richard von Weizsäcker das 27. Strafrechtsänderungsgesetz für Kinderpornografie. Ein "zahnloser Papiertiger", sagen Fachleute später.

1998 wird das Strafrecht noch einmal verschärft: zehn Jahre Haft für Hersteller und Verbreiter, zwei Jahr für Konsumenten. Doch es gibt Zweifel, ob man Pädophilen mit Strafen beikommen kann. Aus therapeutischer Sicht stellt Psychologin Janina Neutze vom Institut für Sexualmedizin an der Berliner Charité fest, "dass für die Betroffenen selber das Strafrecht keinerlei abschreckende Wirkung hat." Insbesondere bei der Nutzung kinderpornografischer Materialien hätten die meisten vielmehr die Erfahrung gemacht, dass sie nicht erwischt würden. An der Charité werden seit 2005 Pädophile therapiert, die noch nicht straffällig geworden sind. Etwa die Hälfte aller Missbrauchsfälle an Kindern wird von Pädophilen begangen. Die andere Hälfte sind Kriminelle und Täter mit Persönlichkeitsstörungen. Die Therapie bewirkt, sagt Psychologin Neutze, "dass die Zahl der sexuellen Übergriffe deutlich zurückgeht und dass wir einen Rückgang der Nutzung kinderpornografischer Materialien haben."

Stand: 23.07.08