20. August 2008 - Vor 185 Jahren: Friedrich Arnold Brockhaus stirbt

Stichtag

20. August 2008 - Vor 185 Jahren: Friedrich Arnold Brockhaus stirbt

Friedrich Arnold Brockhaus ist ein Bankrotteur. Durch die Kontinentalsperre Napoleons ist der Tuchhändler vom Nachschub abgeschnitten worden. Nach dem Konkurs ist er nach Amsterdam gegangen, um einen Verlag zu gründen. Jetzt sucht der Büchernarr auf der Leipziger Buchmesse 1808 nach Druckstoff. Beim Stöbern durch die Ausstellungsräume fällt ihm ein Projekt ins Auge, das ebenfalls gescheitert ist: das nach sechs Bänden abgebrochene "Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten" des Gelehrten Gotthelf Löbel. Brockhaus kauft die unvollendete Enzyklopädie für den Schnäppchenpreis von 1.800 Reichstalern - und macht damit das Geschäft seines Lebens.

Brockhaus wird 1772 in Dortmund geboren. Von Kindheit an ist er nach eigener Aussage von der "Bücherwuth" befallen. Trotzdem macht er eine Lehre im väterlichen "Detailhandel für "Ellen- und Spezereiwaren" und gründet 1796 ein Unternehmen, das mit englischen Stoffen handelt. Nach der Pleite gründet Brockhaus 1805 einen Verlag, der unter anderem Casanovas Memoiren verlegt. Er vollendet Löbels "Conversationslexikon" und entwickelt es dabei maßgeblich weiter. Zum ersten Mal soll Wissen nicht für den exquisiten Kreis der Gelehrten zugänglich werden, sondern für das gebildete Bürgertum: zur Belehrung, aber auch zur Unterhaltung in den Salons und guten Stuben. "Flüssigmachung und Popularisierung der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Ergebnisse, nicht für die geschäftliche Praxis, sondern für die Befriedigung und Förderung der allgemeinen Bildung" wird Brockhaus diese Aufgabe nennen.Schnell erobert Brockhaus mit seiner Idee die Wohnzimmer - und gibt fortan mit seinem Lexikon den Kanon dessen vor, was der Bildungsbürger wissen muss. Durch den Erfolg beflügelt geht der Verleger mit seinem "F. A. Brockhaus" umbenannten Verlag nach Leipzig, wo er 1818 das Bürgerrecht erhält; eigene Druckereien kümmern sich ausschließlich um die Produktion seines Lexikons. Bis heute sind vom "Brockhaus" 21 Auflagen erschienen.

Brockhaus stirbt am 20. August 1823 als elffacher Vater in Leipzig. Seinen Erben hinterlässt er ein florierendes Unternehmen, das als Inbegriff seriöser und klug recherchierter Lexikonproduktion gilt. 2007 verkündet der Verlag, den gedruckten Brockhaus einstellen zu wollen. Kaum war die Meldung verkündet, schossen die Verkaufszahlen in die Höhe und es werden sogar Überlegungen für eine 22. Auflage angestellt.

Stand: 20.08.08