24. Juli 2008 - Vor 225 Jahren: Simón Bolivar in Caracas geboren

Stichtag

24. Juli 2008 - Vor 225 Jahren: Simón Bolivar in Caracas geboren

Heute findet sich seine Figur sogar im Volkskult als ein "Geist des Krieges", und seine Figur steht auf manchem Hausaltar in Venezuela: ein geschnitztes Stück Besenstiel mit Säbel. Dabei ist Simón Bolivar zunächst kein Mann des Volkes, sondern ein Kind der aristokratischen Oberschicht. Seine Eltern schicken ihren am 24. Juli 1783 in Caracas geborenen Sohn zur Ausbildung nach Madrid, wo er sogar mit dem Kronprinzen Ferdinand Federball spielt. Hier heiratet er 1802 die schöne Mariá Teresa Rodrígez de Toro. Aber Maria stirbt schon ein Jahr später, kurz nach der Rückkehr des Paares nach Caracas.

Der junge Witwer geht wieder nach Europa: In Frankreich lässt er sich von den Ideen der Revolution begeistern. Hier entsteht sein Plan, aus Lateinamerika einen unabhängigen Verfassungsstaat zu machen, frei von der kolonialen Ausbeutung durch die Spanier. Die Geschichte arbeitet für ihn: 1808 setzt Napoleon in Spanien seinen Bruder zum König ein, was einen Bürgerkrieg auslöst. Spanien kann sich kaum um seine Kolonien kümmern. So beginnt Bolivar von Venezuela aus einen langen, zermürbenden Befreiungskrieg. Zeitweise verliert er und wird nach Haiti verbannt. Wieder zurückgekehrt mobilisiert er 1816 das Volk, indem er die Befreiung aller Sklaven verkündet. Außerdem lässt er Veteranen der napoleonischen Kriege aus Europa anwerben. Der deutsche Major Otto Braun wird sogar sein Kriegsminister.

Bis 1824 kämpft Bolivar die spanischen Kolonialherren in ganz Südamerika nieder. Er will einen lateinamerikanischen Superstaat errichten, eine Republik mit den Territorien Venezuelas, Boliviens, Kolumbiens. Aber der Kontinent ist schlecht entwickelt, hat kaum ausgebaute Straßen und lässt sich deshalb nicht zentral regieren. Außerdem streben Bolivars Militärführer nach eigener Macht. Schon 1819 will Bolivar seine Macht an das gewählte Parlament abgeben. Aber dieses wählt ihn zum Präsidenten mit diktatorischen Vollmachten.Bolivar will zwar einen demokratischen Rechtsstaat, aber die sozialen und rassischen Gegensätze überwindet er nicht. Allgemeine Schulpflicht und eine Bodenreform bleiben Idee. Am Ende zieht sich Bolivar resigniert aus den Machtkämpfen territorialer Führer zurück. "Dieses Land wird unweigerlich in die Hände der zügellosen Massen fallen", schreibt er. "Und danach wird es auf Kleintyrannen aller Hautfarben und Rassen übergehen." Er will wieder nach Europa. Aber er stirbt 1830 vor der Abreise an Tuberkulose. Sein Leichnam wird nach Caracas gebracht. Nur sein Herz bleibt verschwunden.

Stand: 24.07.08