05. Mai 2008 - Vor 70 Jahren: Japan erlässt Gesetz zur Generalmobilmachung

Stichtag

05. Mai 2008 - Vor 70 Jahren: Japan erlässt Gesetz zur Generalmobilmachung

Sommer 1937: Chinesische und japanische Soldaten liefern sich an der Marco-Polo-Brücke in der Nähe von Peking eine nächtliche Schießerei. Japan nutzt den Zwischenfall und beginnt einen Krieg gegen China. Es geht um Ressourcen, Absatzmärkte und Macht. Das rohstoffarme Kaiserreich Japan hat weitreichende Expansionsziele: Der Inselstaat will sich "eine Art autarkes Kolonialreich oder einen ostasiatischen Staatenbund unter japanischer Führung" schaffen, sagt Jan Schmidt, Japanologe an der Bochumer Ruhr-Universität. Bereits 1931 haben japanische Soldaten die Mandschurei überrannt und ein Marionettenregime installiert, das Japan den Zugriff auf Erz, Erdöl, Kohle und Holz sichert.

Der Angriff im Sommer 1937 ist für Japan nicht so erfolgreich. Unter Führung von Marschall Chiang Kai Shek wehren sich die Chinesen. Es kommt zu Gräueltaten der Japaner. Bald stellt sich heraus, dass der Krieg nicht schnell zu gewinnen ist. Für den damaligen japanischen Ministerpräsidenten Fürst Konoe Fumimaro, ein Vetter des Kaisers, ist das ein willkommener Vorwand, um lang gehegte Pläne umzusetzen. "Er und seine Berater sowie auch Militärs im weiteren Umfeld hatten schon seit Jahren vor, den gesamten Staatsaufbau umzubilden", erklärt Japanologe Schmidt. Mit Hilfe seiner Berater erlässt Konoe am 5. Mai 1938 das "Gesetz zur Generalmobilmachung der Nation". Das Gesetz verschafft der Regierung uneingeschränkten Zugriff auf die Bürger und die Ressourcen des Landes: Löhne und Arbeitsbedingungen können festgesetzt, Streiks verboten werden.

Bei der Umsetzung der Mobilmachung gibt es allerdings erhebliche Probleme: Die Ministerien sind zerstritten. Erst als Japan 1941 mit dem Angriff auf Pearl Harbor den Krieg gegen die USA eröffnet, wird das Gesetz zur Mobilmachung verschärft angewendet. Japan ist mittlerweile dem von Adolf Hitler initiierten Drei-Mächte-Pakt beigetreten. Zwischen Berlin, Rom und Tokio besteht nun die so genannte Achse, die den Zweiten Weltkrieg für sich entscheiden will. Im Pazifik dauert der Krieg vier Jahre und endet mit den Atombombenabwürfen der Amerikaner auf die japanischen Städte Nagasaki und Hiroshima. Am 15. August 1945 erklärt Kaiser Hirohito die japanische Kapitulation. Sechs Wochen später wird das Gesetz zur Nationalen Mobilmachung wieder abgeschafft.

Stand: 05.05.08