17. Januar 2008 - Vor 75 Jahren: Todestag von Louis Comfort Tiffany

Stichtag

17. Januar 2008 - Vor 75 Jahren: Todestag von Louis Comfort Tiffany

Eine wuchtige Sofalandschaft, ein rustikaler Couchtisch und darauf zur Krönung ein buntes Glasungetüm namens Tiffany-Lampe - das ist heute Inbegriff des Gelsenkirchener Barocks. Doch was der Generation Ikea nur noch ein abschätziges Schmunzeln entlockt, gilt vor 100 Jahren beiderseits des Atlantiks als Gipfel moderner Inneneinrichtung. Bei Auktionen erzielen die Originalkreationen des amerikanischen Glaskünstlers Louis Comfort Tiffany allerding auch heute noch Spitzenpreise und Museen in aller Welt reißen sich um die fragilen, magisch schimmernden Mosaikarbeiten aus Tiffanys  Werkstatt.

Der berühmteste Vertreter des amerikanischen Jugendstils kommt 1848 als Sohn eines New Yorker Schmuckhändlers mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund zur Welt. Statt in das - von Truman Capote mit "Frühstück bei Tiffany" später literarisch verewigte - väterliche Unternehmen einzusteigen, versucht sich Tiffany junior zunächst als Maler. Auf ausgedehnten Reisen durch Europa und den  Vorderen Orient sammelt er Kunst und Inspirationen. Zurück in New York gründet er 1879 ein Studio für Einrichtungskunst und verdient als gefragter Innenarchitekt der Reichen und Schönen schnell ein Vermögen. Vor allem die von Tiffany selbst entworfenen und produzierten Buntglasfenster faszinieren die Astors, die Vanderbilts und Intellektuelle wie den Schriftsteller Mark Twain.

Tiffanys herausragende Technik besteht darin, seine meist floralen Motive nicht auf Glas, sondern durch die Verwendung verschiedener Metalloxide und das Übereinandergießen unterschiedlicher Farbtöne quasi im Glas entstehen zu lassen. Jede Glastafel wird damit ein Unikat, mit individuellem Farbverlauf und einem anderen Grad an Durchsichtigkeit. Die Weltausstellungen zu Jahrhundertbeginn tragen Tiffanys Ruhm auch nach Europa. Als erstem großen US-Künstler gelingt es ihm, die "von Europa nach Amerika verlaufende Einbahnstraße beim Kunstexport umzudrehen", wie es der Hamburger Glas-Experte Wilhelm Hornbostel beschreibt. Bis in die 20er Jahre beschäftigt Louis Comfort Tiffany in seinem Unternehmen Hunderte von Designern und Arbeitern. Dann läuten das Abflauen der Jugendstil-Euphorie und der Beginn der Moderne das rasche Ende ein. 1932 muss die "Tiffany Glass Company" Konkurs anmelden; nur ein Jahr später, am 17. Januar 1933, stirbt der 85-jährige Pionier des Kunstgewerbes auf seinem pompösen Landsitz Laurelton Hall auf Long Island. 

Stand: 17.01.08