03. April 2008 - Vor 60 Jahren: USA unterzeichnen European Recovery Program

Stichtag

03. April 2008 - Vor 60 Jahren: USA unterzeichnen European Recovery Program

Zwei Drittel der Bundesbürger artikulieren zum Ende der Ära Bush ein eher gespanntes Verhältnis gegenüber den Vereinigten Staaten. Vorbei die Zeiten, als humanitäre Heldentaten aus Übersee wie Care -Paket, Marshall-Plan und Luftbrücke den USA dauerhaft Dankbarkeit und Freundschaft der Deutschen garantierten. In der Tat haben diese anscheinend nur wohlgemeinten Freundschaftsdienste über Jahrzehnte für ein stabiles pro-amerikanisch und stramm anti-kommunistisch ausgerichtetetes Politklima in Deutschland gesorgt. Eben dieser propagandistischen Zielvorstellung verdankt nicht zuletzt das teuerste der drei US-Hilfsprojekte, der Marshall-Plan, seine Entstehung.

Nach 1945 ächzt Europa unter den Folgen des Weltkriegs. In Deutschland sind viele Menschen nach zwei verheerenden Kälte- und Hungerwintern in den Ruinen ihres Landes der Verzweiflung nahe. Bestürzt nimmt George C. Marshall, ehemaliger Fünf-Sterne-General und nun US-Außenminister, die Zustände während einer Inspektionsreise zur Kenntnis. Hinter den miserablen Lebensbedingungen erkennt der gewiefte Stratege die politische Gefahr: dass Josef Stalin Nutzen aus dieser Lage ziehen könnte. "Der Patient Europa liegt im Sterben" warnt Marshall all die Zweifler in Washington, denen die erforderlichen Hilfsleistungen viel zu teuer sind. Finanzminister Henry Morgenthau etwa verfolgt den wesentlich kostengünstigeren Plan, Deutschland dauerhaft auf dem Niveau eines Agrarstaates zu halten. In einer viel beachteten Rede an der Universität Harvard im Juni 1947 verdeutlicht Außenminister Marshall seinen Landsleuten, dass es nur im eigenen Interesse liegen kann, Europa und vor allem dem Pufferstaat Deutschland humanitär wie wirtschaftlich wieder auf die Beine zu helfen.

Mit drastischen Warnungen vor der drohenden roten Gefahr aus Moskau kämpft Marshall für seinen Plan - und erreicht die Kehrtwende in der amerikanischen Außenpolitik. Am 3. April 1948 unterzeichnen die Vereinigten Staaten das European Recovery Programm (ERP). Es sieht vor, innerhalb von vier Jahren Hilfeleistungen in Höhe von 14 Milliarden Dollar (heute 85 Milliarden Euro) nach Westeuropa fließen zu lassen. Nur 1,4 Milliarden Dollar davon werden Deutschland zugeteilt. Geschichte macht das ERP unter dem Namen seines Initiators George C. Marshall. Mit dem Slogan "Freie Bahn dem Marshallplan" verkündet die amerikanische Propaganda den Deutschen per Rundfunk, Zeitungen und Plakaten die frohe Botschaft. Und die kommt an - bis in die Gegenwart. Noch heute verdanken viele Existenzgründer ihre Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die aus dem ERP hervorging. Wie weit der Marshall-Plan allerdings tatsächlich für das deutsche Wirtschaftswunder verantwortlich war, wird unter Historikern inzwischen kontrovers diskutiert.

Stand: 03.04.08