04. Januar 2008 - Vor 40 Jahren: "Zur Sache Schätzchen" kommt ins Kino

Stichtag

04. Januar 2008 - Vor 40 Jahren: "Zur Sache Schätzchen" kommt ins Kino

Uschi Glas will sich nicht ausziehen. Gerade hat die 24-jährige Schauspielerin aus München das erste Angebot zu einer Hauptrolle bekommen, aber die Sache behagt ihr gar nicht. Denn der Neue Deutsche Film verlangt zu dieser Zeit "das Ausziehen eigentlich als Grundbedingung". Kurzerhand geht Glas in den berühmten Miederwarenladen der Frau Krienis. "Und da habe ich gesagt: Frau Krienis, ich brauche eine Korsage. Alle Männer muss es umhauen, wenn ich das trage. Und dann hat sie gesagt: 'Des machen wir, des machen wir.'"

Die erste Person, die das neue Mieder tief beeindruckt, ist Regisseurin May Spils. "Genauso machen wir das", soll sie gesagt haben, als die Glas vor ihr posiert: "Das ist der Hammer". Die Nacktszene entfällt. Glas darf Werner Enke als Phrasen dreschenden Nichtstuer aus Schwabing, der in Konflikt mit der Polizei gerät, im weißen Dessous bezirzen. Am 4. Januar 1968 kommt "Zur Sache Schätzchen" in die Kinos. Nicht nur, weil Glas ihre Arbeitskleidung selbst bezahlt, kann die Schwarzweiß-Produktion, die die Revolte der Studentenunruhen auf ein harmloses Niveau mittelmäßiger Gags in einer seicht dahin plätschernden Komödie herunterschraubt, mit 350.000 Mark Minimalbudget verwirklicht werden.

Werner Enke ist das Resultat peinlich. Bereits in der Endphase der Dreharbeiten sitzt er jeden Abend besoffen in der Kneipe. "Wir haben einen fürchterlichen Film gedreht", ruft er immer wieder aus: "Ich will mit diesem Mistding nichts zu tun haben." Allen Unkenrufen des Schauspielers zum Trotz wird "Zur Sache Schätzchen" ein Riesenerfolg. Über vier Millionen Zuschauer lockt der Film in die Kinos. Vor allem die Miederszene wird zur Sensation. "ich habe noch keinen Film der neuen deutschen Welle gesehen, in dem so viel Freiheit anwesend war", lobt der bekannte Filmkritiker Peter W. Jansen. Der Neue Deutsche Film hat seinen ersten Kassenschlager. An seinen Erfolg wird Spils nie wieder anknüpfen können. Glas aber wird zum "Schätzchen der Nation".

Stand: 04.01.08