18. April 2008 - Vor 135 Jahren: Tod des Chemikers Justus von Liebig

Stichtag

18. April 2008 - Vor 135 Jahren: Tod des Chemikers Justus von Liebig

Die Münchner High Society kennt 1853 eine wesentlich spannendere Abendunterhaltung als Oper und Theater. Das wahre gesellschaftliche Ereignis findet an der Universität statt. Vor vollen Rängen präsentiert dort ein wortgewaltiger Professor Experimente mit den Elementen, die die feine Gesellschaft zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen. Heute sind diese publikumswirksamen Versuche mit Knall- und Leuchteffekten jedermann aus dem Schulunterricht vertraut, was jenem von Bayerns König Maximilian äußerst hochgeschätzten Professor zu verdanken ist: Justus von Liebig, damals in Europa ebenso berühmt wie in Amerika, gilt als Begründer des chemischen Experimentalunterrichts an deutschen Schulen.

Zu Liebigs Jugendzeit ist Chemie als eigenständiges Fach an Schulen und Universitäten noch völlig unbekannt. An Latein und Griechisch völlig uninteressiert, arbeitet sich der 1803 geborene Sohn eines Darmstädter Drogisten im Alleingang durch die gesamte chemische Fachliteratur. Als Sechzehnjähriger weiß er alles, was man zu jener Zeit über Aufbau, Verhalten und Umwandlung von Stoffen nur wissen kann. Ohne Abitur ergattert Liebig einen Studienplatz in Bonn, bevor er 1822 ein Stipendium an der Pariser Sorbonne erhält. Dort wird der Autodidakt von Alexander von Humboldt entdeckt und gefördert. "Er wird ein Professor sein, der dem Vaterland Ehre macht", prophezeit der große Universalgelehrte in einem Empfehlungsbrief, der dem jungen Naturforscher Tür und Tor öffnet. Kurz vor seinem 21. Geburtstag wird Justus Liebig zum außerordentlichen Professor der Chemie an der Universität Gießen ernannt.

Bereits um 1830 ist das Provinzstädtchen Gießen durch Liebigs Lehrtätigkeit so berühmt, dass die Studenten aus ganz Europa angereist kommen. Liebig forscht, lehrt und publiziert unermüdlich, entwickelt neue Analysemethoden und erfindet bahnbrechende Geräte wie den Fünf-Kugel-Apparat zur Bestimmung organischer Stoffverbindungen. Mit dem von ihm entwickelten Kunstdünger - auch wenn dieser zunächst jahrelang nur unter Laborverhältnissen funktioniert - revolutioniert Liebig den Ackerbau. Seine Zeitgenossen erheben den inzwischen zum Freiherrn geadelten Liebig dafür zum "Newton der Agrarwissenschaft". 1852 lockt ihn dann der bayerische König bei fürstlicher Bezahlung nach München. Dort widmet sich Justus von Liebig den praktischen Anwendungen seiner Forschungsergebnisse. Er entwickelt und produziert unter anderem ein Fleischextrakt, das Backpulver und Trockenmilch für Säuglinge - Substanzen, mit denen er zum Vater der chemisch-industriellen Nahrungsproduktion wird. Seine ehemaligen Schüler gehören zu den Mitbegründern von Unternehmen wie BASF, Hoechst und Bayer. Justus von Liebig stirbt am 18. April 1873 in München an den Folgen einer Lungenentzündung.

Stand: 18.04.08