06. April 2008 - Vor 480 Jahren: Todestag von Albrecht Dürer

Stichtag

06. April 2008 - Vor 480 Jahren: Todestag von Albrecht Dürer

"Ausgedörrt wie ein Bündel Stroh" wirkt der große Meister auf seinen Freund, den Humanisten Willibald Pirckheimer. Innerhalb weniger Wochen erliegt der erst 56-jährige Albrecht Dürer überraschend einer Krankheit, die Pirckheimer als "ein heiß Fieber mit einer großen Ohnmacht, Unlust und Hauptweh" beschreibt. Es ist wohl die Malaria, die den in ganz Europa bekannten und bewunderten Lockenkopf auf dem Gipfel seines Ruhms dahinrafft. Am 6. April 1528, kurz vor seinem 57. Geburtstag, stirbt Albrecht Dürer in seiner Geburtstadt Nürnberg. Die stolze Reichsmetropole ehrt ihn, den aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammenden Handwerkersohn, mit einem Grab auf dem Johannisfriedhof. 34 Jahre zuvor hat der junge Dürer diese Ruhestätte der Nürnberger Patrizier in einem Bild verewigt. Es ist das älteste Landschafts-Aquarell Dürers, das bis heute erhalten ist.

Schon zu seinen Lebzeiten erkennen große Zeitgenossen wie Michelangelo, Raffael, Melanchton oder Luther die überragende Bedeutung Albrecht Dürers. Erasmus von Rotterdam rühmt gar, dem Nürnberger gelinge es, das gar nicht Malbare auf die Leinwand zu bannen. Bis heute zählen Motive wie "Der Feldhase", "Die betenden Hände" oder "Die vier Apokalyptischen Reiter" zu den größten Ikonen deutscher Kunst und sind in Werken der Gegenwartskunst noch ebenso präsent sind wie in Todesanzeigen oder politischen Karikaturen. Der "haarig, bartet Maler", wie sich Dürer wegen der Spötteleien über sein Äußeres selbstironisch nennt, gilt als Wiederentdecker der Antike, als der Reformator der Kunst  in Deutschland. "Inwendig voll Figur" müsse ein Künstler sein, fordert Dürer. Doch obwohl von Malern und Majestäten für seine schier unerschöpfliche Fantasie bewundert wird, fühlt sich Dürer sein Leben lang als innerlich Unvollendeter: "Ach, wie oft siech ich große Kunst im Schlofe, dergleichen mir wachend nit fürkummt."

Deutschlands berühmtester Renaissance -Maler beweist nicht nur als Künstler, sondern auch als Geschäftsmann eine überragende Begabung. In eigenen Werkstätten lässt Dürer etwa seine berühmten Holzschnittserien über die Apokalypse oder das Marienleben in großen Auflagen fertigen und europaweit zu günstigen Preisen anbieten. Seine Frau Agnes, mit der er seit 1494 verheiratet ist, schickt er auf Messen, um dort Kupferstiche und Grafiken nach einer festen Preisliste zu verkaufen. Nicht nur in seiner künstlerischen Tätigkeit, auch in der Theorie reflektiert Dürer die Umwälzungen und Eruptionen seiner Ära. Seine versierten Abhandlungen zur Mathematik, zur Proportionslehre oder über den Bau von Befestigungsanlagen gelten jahrhundertelang als Standardwerke. Zu einer Zeit, als 50 Gulden den Jahresbedarf eines Menschen hinreichend decken, hinterlässt Albrecht Dürer seiner Witwe Agnes das ansehnliche Erbe von 6.848 Gulden.

Stand: 06.04.08