10. März 2008 - Vor 10 Jahren: Wut-Rede von Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni

Stichtag

10. März 2008 - Vor 10 Jahren: Wut-Rede von Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni

In der Rückrunde der Bundesligasaison 1997/98 macht Rekordmeister Bayern München seinem Spitznamen "FC Hollywood" wieder alle Ehre. Nach einer 0:1-Schlappe in Schalke, der dritten Niederlage in Folge, ist der Meistertitel so gut wie weg. Im Clubheim an der Säbener Straße geht es drunter und drüber; jeder stänkert so gut er kann. Öffentlich ätzt Stürmer Mario Basler über die Taktik von Trainer Giovanni  Trapattoni: "Vielleicht bringt er im nächsten Spiel nur noch Abwehrspieler." Andere Profis ziehen nach und kühlen über die Medien ihr Mütchen an dem Coach, der sich in allen Krisen vor seine Mannschaft gestellt und gegenüber Journalisten nie den Hauch einer Kritik geäußert hat. Diese Illoyalität seiner Spieler trifft den väterlichen Trapattoni tief. Wie tief, erlebt Fußball-Deutschland am 10. März 1998 in einer denkwürdigen Pressekonferenz.

Im roten Trainingsanzug stürmt der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt vor das Mikrofon. Mit nur mühsam unterdrücktem Zorn macht "Trap", sonst die Contenance in Person, vom ersten Satz an die Tonlage klar: "Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihren Profi was sie sind." Vergessen sind die Zettel in der Hand, auf denen sich der meist abenteuerlich radebrechende Trainer wichtige Gedanken in Deutsch notiert hat. Mit tiefrotem Gesicht und vor Wut blitzenden Augen nimmt Trapattoni zuerst die gesamte Mannschaft auseinander. Dann knöpft er sich, mit fuchtelnden Armen und überschlagender Stimme, die Spieler einzeln vor.

So richtig in Schwung gekommen, gelingen dem Wüterich prägnante Formulierungen wie "Spieler, die waren wie Flasche leer" oder "Struuunz! Was erlaube Struunz?" die bis heute unseren Alltagsjargon bereichern. Nach einer knapp zehnminütigen Suada donnert Trapattoni die Faust auf den Tisch: "Ich bin müde verteidige immer diese Spieler!" Dann springt er auf, dekretiert "Ich habe fertig!" und rauscht hinaus. Am folgenden Tag: Trapattoni auf allen Kanälen. Selbst die "Tagesschau" berichtet groß über den urgewaltigen Wutausbruch des Bayern-Trainers. Kein Ereignis ist 1998 häufiger auf dem Bildschirm zu sehen als Trapattonis Zusammenfalten seiner Mannschaft. Der Maestro selbst jedoch fühlt sich lange Zeit missverstanden und verhöhnt. Zu sehr wurmt ihn, dass seine klangvollen Beschimpfungen in der Öffentlichkeit als running gag  veralbert werden. Zum Saisonende bricht der erste italienische Trainer, der in der Bundesliga gearbeitet hat, sein Gastspiel in München vorzeitig ab und übernimmt den AC Florenz. Deutscher Meister wird der 1. FC Kaiserslautern.

Stand: 10.03.08