13. Mai 2008 - Vor 15 Jahren: Das Ende von SDI wird bekannt gegeben

Stichtag

13. Mai 2008 - Vor 15 Jahren: Das Ende von SDI wird bekannt gegeben

Mitten im Kalten Krieg verblüfft US-Präsident Ronald Reagan  die Weltöffentlichkeit: Am 23. März 1983 fordert er in einer Fernsehrede die Wissenschaftler seines Landes auf, Atomwaffen "unwirksam und überflüssig" zu machen. "Das war deswegen verblüffend, weil zu diesem Zeitpunkt die Nuklearwaffen immer der Fetisch des Westens waren", sagt Physik-Professor Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Bisher sollten mit Atomwaffen die Russen abgeschreckt und so ein Krieg verhütet werden. Doch die angebliche Kehrtwende entpuppt sich als neues Rüstungsprogramm. Anders als die Friedensbewegung will Reagan Nuklearwaffen nicht unwirksam machen, indem er sie verschrottet. Seine Zauberformel heißt "Strategic Defense Initiative" (SDI): Strategische Verteidigungsinitiative.

Reagan  will einen Abwehrschirm schaffen, an dem feindliche Raketen abprallen. Das Raketenabwehrsystem soll teils auf dem Boden und teils im Weltraum errichtet werden. Infrarot-Beobachtungssatelliten, superschnelle Abfangraketen, hochenergetische Laserkanonen - ein Arsenal neuer Waffen soll einen undurchdringlichen Schild über den USA bilden. Schon 1987 äußert eine Expertenkommission Zweifel an der Realisierung eines solchen Planes. Das Grundproblem ist die hohe Endgeschwindigkeit von Raketen: ungefähr drei Kilometer pro Sekunde. "Man vergleicht das ja immer mit dem Bild, eine Kugel mit einer Kugel abzuschießen", erklärt Physiker Neuneck. Nur das nicht eine, sondern hunderte Kugeln beziehungsweise Raketen im Ernstfall gleichzeitig im Anflug wären. Dazu kämen hunderte Attrappen, die die Abfangraketen vom Kurs abbringen sollen. Ein derartiges Hightech-Gefecht müsste ein im All stationierter Hochleistungs-Computer managen. Physiker haben errechnet, dass dieser Computer 50 Millionen Testrunden durchlaufen müsste.

Unter Reagans Amtsnachfolger George Bush senior wird das Star-Wars-Programm, wie SDI  von Kritikern genannt wird, zunächst modifiziert und nach der Auflösung der Sowjetunion heruntergefahren. Als Bill Clinton zum US-Präsidenten gewählt wird, erklärt sein Verteidigungsminister Les Aspen  am 13. Mai 1993 auf Anfrage eines Kongressabgeordneten: Die Star-Wars-Ära ist zu Ende. Die geschätzten Kosten von SDI  zwischen 1983 und 1993 betragen rund 120 Milliarden US-Dollar.

Stand: 13.05.08