22. Oktober 2004 - Vor 45 Jahren: Uraufführung des Antikriegsfilmes "Die Brücke"

Stichtag

22. Oktober 2004 - Vor 45 Jahren: Uraufführung des Antikriegsfilmes "Die Brücke"

"Ich will weg hier. Ich will nach Hause." Volker Lechtenbrink in der Rolle des Jugendlichen Klaus Hager kann diese Hölle nicht mehr ertragen. Er schreit vor Angst nach seiner Mutter und macht sich in die Hose. Karl Horber (Karl-Michael Balzer) reisst ihn zurück an sein Maschinengewehr und brüllt ihn an: "Nimm dich doch zusammen!". Blutüberströmte, verbrannte und zerfetzte Leichen liegen im Dreck. Einem Soldaten quellen die Gedärme aus dem Bauch. Seine Todesschreie scheinen endlos. "Karl, schieß doch! Mach ihn tot, Karl!"

Mit Grauen erregendem Realismus schildert Regisseur Bernhard Wicki in seinem Antikriegsfilm "Die Brücke" den sinnlosen Kampf von deutschen Kindersoldaten wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Film wird am 22. Oktober 1959 in München uraufgeführt. Darin erhalten sieben Gymnasiasten, Durchschnittsalter 16 Jahre, ihren Einberufungsbefehl. Einen Tag lang lernen die jungen Rekruten in der Kaserne den Umgang mit Waffen. Dann werden sie an den Rand ihrer Heimatstadt abkommandiert, um eine unwichtige Brücke, die ohnehin gesprengt werden soll, vor den Amerikanern zu sichern. Die Jungs sind auf sich allein gestellt. Als die feindlichen Panzer anrücken, beginnt ein aussichtloser, selbstmörderischer Kampf, den nur einer von ihnen überlebt."Wohin es führt, wenn man Kinder mit falschen Idealen erzieht""Die Brücke" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Martin Gregor alias Gregor Dorfmeister. Wie die Schüler im Film, wird er selbst kurz vor Kriegsende eingezogen: "Ich habe in diesen letzten drei Kriegstagen aus der Gruppe, mit der ich ausgerückt bin, vier Mann verloren." Dorfmeister schildert zeitlich verdichtet alle Erlebnisse, die ihm überlebende Kameraden erzählt haben. Die Verfilmung muss zunächst einige Hürden nehmen. Nachdem es namhafte Regisseure kurz nach der Wiederbewaffnung ablehnen, den Stoff zu inszenieren, wird Bernhard Wicke engagiert, der bis dahin nur einen halbdokumentarischen Film über Jugendliche gemacht hat. Als Wicki beim Drehbuch-Schreiben erfährt, dass sein Mitautor bei der Waffen-SS war, bricht er die Zusammenarbeit ab. Schließlich gibt es Auseinandersetzungen mit dem Produzenten Hermann Schwerin, weil Wicki Budget und Drehzeit überzieht: Da er im oberpfälzischen Cham im Sommer drehen muss, die Geschichte aber im Mai spielt, lässt er alle Bäume im Blickfeld der Kamera entlauben.Der Film wird mit Ehrungen förmlich überschüttet: Bundesfilmpreis, Oscar-Nominierung und Golden Globe. Heute zählt er zum Filmkanon, einer Liste mit internationalen Filmen, die 2003 von einer Expertenkommission für den Schulunterricht empfohlen wird. Ganz im Sinn von Regisseur Wicki: "Ich möchte zeigen, wohin es führt, wenn man Kinder mit falschen Idealen erzieht, wenn man sie verkauft, verrät und schließlich verrecken lässt."Stand: 22.10.04