30. Mai 2008 - Vor 5 Jahren: Tod des Schauspielers Günter Pfitzmann

Stichtag

30. Mai 2008 - Vor 5 Jahren: Tod des Schauspielers Günter Pfitzmann

An jenem 30. Mai 2003 steht der Herzspezialist Dr. Robert Pfitzmann vor der schwersten Aufgabe seines Lebens. Vor ihm auf dem Operationstisch des Berliner Herzzentrums liegt sein Vater. Drei von vier Bypässen sind verstopft. Fünf Stunden ringen Pfitzmann und sein Team um das Leben seines Vaters. Doch für den Theater- und Fernsehstar Günter Pfitzmann gibt es keine Rettung mehr. Jahrzehntelang 50 Zigaretten täglich, zwei Herzinfarkte und ein Beckenbruch fordern ihren Tribut. Wenige Wochen nach seinem 79. Geburtstag stirbt der Mann, den beinahe jedes Kind in Deutschland als grundgütigen Kassenarzt Dr. Brockmann vom Bülowbogen kennt. "Wenn ich abkratze, ist das okay", hat Pfitzmann mal gesagt. "Ich habe schließlich viel erleben dürfen."

Noch im März 1945 fängt sich der 20-jährige Soldat Pfitzmann aus Berlin eine üble Schussverletzung am rechten Knöchel ein. Sportlehrer hat er eigentlich werden wollen; nun wird er Schauspieler. Pfitzmann spielt Goethe, Schiller, Shakespeare, doch sein trockener Witz braucht noch eine andere Bühne. So gründet er 1949 mit drei gleichgesinnten eingeborenen Berlinern - Wolfgang Gruner, Achim Strietzel und Jo Herbst - das Kabarett "Die Stachelschweine", dem er bis 1957 angehört. Auch beim Film ist Pfitzmanns Charakterkopf immer häufiger gefragt. Dabei reicht sein ansehnliches schauspielerisches Repertoire von leichter Edgar-Wallace-Krimikost bis zu Antikriegsfilmen wie etwa Bernhard Wickis "Die Brücke". "Mein Vater war durch und durch Schauspieler", erinnert sich Sohn Robert. "Es war immer so eine lodernde Flamme in ihm".

Mit Schlagfertigkeit, ungebremster Arbeitslust und bärbeißigem Frontstadtcharme erspielt sich Günter Pfitzmann den Ruf des aufrechten Parade-(West)-Berliners. Auf den Bühnen der Boulevardtheater am Kurfürstendamm feiert er rauschende Erfolge, als Synchronsprecher fürs Kino leiht er seine Stimme unter anderem Kirk Douglas. In der Titelrolle der Fernseh-Krimi-Serie "Gestatten, mein Name ist Cox" entdeckt Pfitzmann 1958 das Medium, dem er dann später seine größten Erfolge verdankt. Serien wie "Berliner Weiße mit Schuss", "Drei Damen vom Grill", "Praxis Bülowbogen" und "Der Havelkaiser" werden dank Pfitzmanns Herz mit Schnauze zu Dauer-Quotenrennern. Stets sind seine Rollen fest im ureigenen Heimatbiotop verortet. "Pfitze", wie seine engsten Freunde ihn nennen dürfen, steht für Berlin, wie Heidi Kabel für Hamburg und Gustl Bayrhammer für München. Mit seinem Tod im Mai 2003 verliert Berlin "das freundlichste Gesicht der Stadt", schreibt Harald Martenstein in seinem Nachruf im Tagesspiegel.

Stand: 30.05.08