02. Dezember 2008 - Vor 85 Jahren: Maria Callas in New York geboren

Stichtag

02. Dezember 2008 - Vor 85 Jahren: Maria Callas in New York geboren

Sie ist die Inkarnation der Primadonna, Meisterin aller vokaler Klassen, Königin der Mailänder Scala und der Met in New York. Ihre Gagen sind ebenso legendär wie ihre Absagen. Als die Callas an Neujahr 1958 in Rom verstimmt Bellinis "Norma" nach dem ersten Akt abbricht, muss selbst Italiens Staatspräsident Gronchi vorzeitig den Heimweg antreten. Die Frauen-Vorbilder ihrer Blütezeit sind Vamps wie Marilyn Monroe und Brigitte Bardot, blond, sexy, Objekte von Männerphantasien. Die Charaktere, die Maria Callas mit Inbrunst verkörpert, haben eine völlig andere Dimension. Die Callas, so schreibt ihr Biograf Jürgen Kesting, entzieht sich dem Objektsein. Sie sei die rächende Frau, die sich auf der Bühne opfert - jenseits aller Bravour und vokaler Akrobatik. Die Kunst und das Leben gehen bei Maria Callas fließend ineinander über. Dafür zahlt sie einen hohen Preis. Keine andere Diva hat Glanz und Elend im grellen Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit so vollkommen dargestellt wie Maria Callas.

Geboren wird "die Göttliche" in New York, nach eigenen Angaben am 2. Dezember 1923. Cecilia Sophia Anna Maria Kalogeropoulos ist die Tochter griechischer Einwanderer - und zu deren Enttäuschung nicht der erhoffte Sohn. Früh lernt das kleine, dicke Mädchen, dass Liebe etwas ist, worum man kämpfen muss. Mit acht erhält sie den ersten Klavier- und Gesangsunterricht, mit dreizehn geht sie mit ihrer Mutter zurück nach Athen. Am dortigen Konservatorium wird Maria in die Gesangsklasse von Elvira de Hidalgo aufgenommen. Die berühmte Sopranistin erinnert sich später: "Schon die Idee, dass dieses Mädchen Sängerin werden wollte, wirkte unsagbar lächerlich. Sie war groß und fett und trug eine Brille aus dicken Gläsern. Ihr ganzes Auftreten wirkte hässlich." Aber die fleißige Maria ist mit eisernem Willen ausgestattet und darf 1938 als 15-Jährige in Athen ihr Bühnendebüt feiern. Den Durchbruch erlebt Maria Callas 1947 als "Gioconda" in der Arena von Verona. Ihre tiefe Bruststimme, die sie dramatisch perfekt einzusetzen versteht, reißt das Publikum von den Sitzen.

In den folgenden Jahren gelingt es der Callas immer wieder, mit schier unerschöpflichen Kraftreserven ihr Auditorium zur Raserei zu treiben. Die Diva furiosa ist auf dem besten Weg, zum Mythos zu werden, da beschließt sie 1953, kein dickes Mädchen mehr sein zu wollen. Von 90 Kilo hungert sie sich auf 64 herunter, verwandelt sich in eine fragile dunkle Schönheit vom Typ Audrey Hepburn. Noch verheiratet mit ihrem Mentor und Manager Battista Meneghini, erhält die Callas 1958 eine Einladung auf die Superyacht des Reeders Aristoteles Onassis. Sie wird seine Geliebte und bekommt ein Kind von ihm, das sie aber verliert. Das Verhältnis endet, als der schwerreiche Grieche nicht wie erhofft sie zur Frau nimmt, sondern die andere große Frauen-Ikone ihrer Zeit, die Kennedy-Witwe Jacqueline. Vom Leben enttäuscht, von ihrer Kunst überbeansprucht, zieht sich die größte Bühnentragödin des Jahrhunderts mehr und mehr zurück. Mit "Tosca" erlebt Maria Callas 1965 in London ihren letzten unumstrittenen Triumph. Bei ihrer Abschiedstournee mit Giuseppe di Stefano 1973 zollt man der Primadonna assoluta (assoluta: einzigartig) noch großen Respekt, aber die einsame Größe ihrer Stimme ist Vergangenheit. Nach Jahren der selbst gewählten Einsamkeit stirbt Maria Callas am 16. September 1977 mit nur 53 Jahren in Paris an Herzversagen.

Stand: 02.12.08