Stichtag

06. März 2007 - Vor 95 Jahren: Eisenbahnlinie über die Anden eröffnet

Als die Strecke "Ferrocarril Arica-La Paz" von der chilenischen Pazifikküste über die Anden nach La Paz am 6. März 1912 mit einer ersten kleinen Feier eröffnet wird, ist sie noch gar nicht fertig. Der erste Zug kann erst im Januar des folgenden Jahres fahren. Mit einer Länge von 457 Kilometern ist die Strecke zwar die kürzeste Verbindung zwischen dem Pazifik und der Hauptstadt Boliviens. Die Bauarbeiten gestalten sich trotzdem äußerst schwierig. Denn die "Ferrocarril Arica-La Paz" liegt an ihrer höchsten Stelle 4.265 Meter über dem Meeresspiegel. Nur die heimischen Indios können in solchen Höhen arbeiten. Viele Bauarbeiter verlieren ihr Leben, ebenso wie Zugführer und Reisende. Bis heute zeugen rostende Wracks in den Schluchten vom gefährlichen Aufstieg.

Produkt des Krieges

Die "Ferrocarril Arica-La Paz" ist ein Produkt des so genannten Salpeterkriegs, der wegen des für die Dünger- und Schwarzpulverproduktion wichtigen Rohstoffs geführt wurde und 1884 mit einer Niederlage Boliviens endet. Bolivien muss die salpeter- und kupferreiche Provinz Atacama und die Küstenprovinz Tarapacá an Chile abtreten und verliert damit seinen direkten Zugang zum Meer. Im Gegenzug verpflichtet sich Chile zum Bau der Eisenbahnlinie zum Pazifischen Ozean. Er beginnt 1906 - unter Federführung des deutschen Baukonzerns Philipp Holtzmann und mit Kapital der Deutschen Bank. Nach der Fertigstellung braucht man für die Strecke mit ihren sieben Tunneln durch Wüste und Hochgebirge rund zwölf Stunden.

Aber die "Ferrocarril Arica-La Paz" rentiert sich nicht. Als die Strecke endlich eröffnet wird, existiert längst eine Asphaltstraße, auf der Lastwagen die meisten Güter transportieren. Der Bahntrasse bleiben nur die unrentablen Passagiere. Im Bahnhof Central 1.481 Meter über Normal Null reparieren zunächst rund einhundert Arbeiter die Lokomotiven und Waggons. Bald ist nur noch ein Mann übrig, der inmitten einer Geisterstadt die Tankanlage bedienen muss. 2005 wird der Betrieb ganz eingestellt - und dies, obwohl sich die chilenische Staatsbahn als Eigentümer der Strecke im chilenisch-bolivianischen Staatsvertrag von 1904 verpflichtet hatte, sie permanent offenzuhalten. Am Ende ist die Betreibergesellschaft der einst so stolzen "Ferrocarril Arica-La Paz" hoffnungslos verschuldet.

Stand: 06.03.07