07. Juli 2007 - Vor 60 Jahren: Kölner Sporthochschule nimmt Lehrbetrieb auf

Stichtag

07. Juli 2007 - Vor 60 Jahren: Kölner Sporthochschule nimmt Lehrbetrieb auf

Sportpädagogik, Sportmanagement, Trainingswissenschaft, Sporttherapie, Sportjournalismus - an der Deutschen Sporthochschule Köln werden die verschiedensten sportlichen Fachrichtungen gelehrt. Mit rund 6.000 eingeschriebenen Studenten ist sie die größte ihrer Art in der Bundesrepublik. Angefangen hat die "SpoHo", wie sie unter den Studierenden genannt wird, viel kleiner: Mit lediglich 95 Studenten nimmt sie am 7. Juli 1947 ihren Lehrbetrieb auf. Köln liegt zum Teil noch in Trümmern und der damals 65-jährige Gründungsrektor Carl Diem muss improvisieren: "Ich denke noch daran, wie sie die Stadionbänke geopfert haben, um die Büchergestelle daraus zu zimmern." Unterstützt wird er von den Briten, die in ihrer Besatzungszone unbedingt ein Sportinstitut haben wollen.

Carl Diem ist Sportexperte. Er arbeitet schon in der Weimarer Republik an der 1920 gegründeten Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Im "Dritten Reich" bleibt Diem zwar parteilos, übernimmt aber führende sportliche Aufgaben. Als verantwortlicher Generalsekretär des Organisationskomitees gestaltet er 1936 die Olympischen Spiele in Berlin entscheidend mit. Er führt den bis heute üblichen Fackellauf von Griechenland zur jeweiligen Austragungsstätte ein. Sein dreibändiges Werk "Olympische Flamme" gilt heute neben den Filmen von Leni Riefenstahl als Dokument nationalsozialistischer Sportpropaganda. Kurz vor Kriegsende hält Diem am 18. März 1945 auf dem Reichssportfeld in Berlin eine Durchhalte-Rede. Er soll Angehörige der Hitler-Jugend zum Opfertod für den "Führer" aufgefordert haben.

Gut zwei Jahre später stellt Diem bei der feierlichen Eröffnung der Kölner Sporthochschule im November 1947 sein Gründungskonzept vor. Es orientiert sich an "der Wesensart des Sportlehrers als eines körperlichen, geistigen, moralischen und künstlerischen Berufs". Das Emblem der Hochschule zeigt einen antiken Tempel. Seine vier Säulen werden entsprechend als das Starke, Wahre, Gute und Schöne interpretiert. Diem, der Erfinder des deutschen Sportabzeichens, bleibt bis zu seinem Tod 1962 Rektor. Nach ihm werden viele Hallen und Straßen benannt, die nach der Kritik an Diems Verhalten in der Nazi-Zeit allerdings wieder umbenannt werden - wie etwa im Diems Geburtsstadt Würzburg. In Köln hingegen tut man sich mit einer Distanzierung schwer: Eine 450.000 Euro teure Studie soll zunächst die Rolle Diems klären, erklärt "SpoHo"-Rektor Walter Tokarski im Juni 2007 der "Kölnischen Rundschau". Werde Diem tatsächlich eine Schuld nachgewiesen, werde man aber Konsequenzen ziehen. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2008 vorliegen.

Stand: 07.07.07