04. Februar 2007 - Vor 135 Jahren: Ohropax-Erfinder Maximilian Negwer geboren

Stichtag

04. Februar 2007 - Vor 135 Jahren: Ohropax-Erfinder Maximilian Negwer geboren

1927 dreht Walter Ruttmann sein berühmtes Filmgedicht "Berlin - Symphonie einer Großstadt". Doch das pulsierende Hauptstadt-Leben, das der Stummfilm-Klassiker in aufregenden Bildmontagen zelebriert, empfinden schon zur Jahrhundertwende viele Berliner eher als lärmende, nervtötende Kakophonie. Seit Beginn der industriellen Revolution ist es in allen aufstrebenden Großstädten so laut geworden, dass 1908 der "Deutsche Lärmschutzverband" gegründet wird. Alles Mögliche stopfen sich die vom Krach gestressten Menschen in die Ohren, Stöpsel aus Holz, Metall oder Hartgummi - zwecklos. Ruhe bleibt ein unerfüllter Traum. Dabei ist die Lösung des Problems schon längst gefunden - vor 2.700 Jahren.

Die Idee stammt vom griechischen Dichter Homer und erstmals auf ihre Tauglichkeit überprüft wird sie von Maximilian Negwer. Der am 4. Februar 1872 in Schlesien geborene Apotheker eröffnet 1901 in Berlin eine Drogerie. Immer auf der Suche nach neuen Produkten entdeckt der findige Negwer schnell die Marktlücke beim Lärmschutz. Im Bekanntenkreis macht man ihn auf Homers Erzählung über die Irrfahrten des Odysseus aufmerksam. Um dem ebenso betörenden wie tödlichen Gesang der Sirenen zu entgehen, soll der antike Seefahrer seiner Bootsbesatzung Kugeln aus Bienenwachs in die Ohren gestopft haben. Maximilian Negwer erkennt in der Idee des listenreichen Odysseus das Ei des Kolumbus.

Erste Experimente mit einer Mischung aus Watte und Bienenwachs oder Schaftalg verlaufen noch unbefriedigend. Die Kugeln pappen nicht richtig zusammen, das Wachs führt zu Hautreizungen, und Schaftalg wird schnell ranzig. 1907 entdeckt Negwer die perfekte Rezeptur aus Baumwolle und hautfreundlichem Paraffinwachs. Für sein Produkt erfindet er den ebenso nahe liegenden wie einprägsamen Namen "Ohropax" (deutsch-lateinisch für Ohr-Frieden). Der Verkaufserfolg stellt sich umgehend ein, selbst der nervenschwache Schriftsteller Franz Kafka lässt sich Negwers Lärmschutzkugeln nach Prag schicken und schreibt: "Ohne Ohropax bei Tag und Nacht ginge es gar nicht." Als cleverer Geschäftsmann schließt Maximilian Negwer seine Drogerie und baut rund um seine Ohrstöpsel ein Unternehmen auf, das nun schon einhundert Jahre lang erfolgreich Ruhe verkauft. Seit 1991 ist der von Gründer-Enkel Michael Negwer geführte Betrieb in Werheim im Taunus ansässig und produziert täglich 90.000 Wachskugel-Pärchen - ganz im Sinne von Opas Werbeslogan "Hast du Ohropax im Ohr, kommt dir Lärm wie Stille vor".

Stand: 04.02.07