20. Dezember 2007 - Vor 25 Jahren: Todestag des Pianisten Artur Rubinstein

Stichtag

20. Dezember 2007 - Vor 25 Jahren: Todestag des Pianisten Artur Rubinstein

Warum er mit über achtzig noch täglich am Klavier übe, wird Rubinstein von einem Journalisten gefragt. Weil er den Eindruck habe, dass er Fortschritte mache, antwortet der überragende Pianist des 20. Jahrhunderts. Anders als sein großer Konkurrent Vladimir Horowitz, der sich mit der Aura des vergeistigt Entrückten umgibt, genießt Artur Rubinstein das Leben als wunderbares Spektakel vor großem Publikum. Die Welt kennt ihn als majestätische Pianisten-Ikone im Frack ebenso wie als lebenslustigen und geistvollen Salonlöwen. Mit 89 Jahren gibt er 1976 in London sein letztes Konzert, halbblind zwar, doch "wo die Tasten liegen", beruhigt Rubinstein die Kritiker, "habe ich mir inzwischen gemerkt."

Seinen ersten öffentlichen Auftritt erlebt das 1887 im polnischen Lodz geborene jüdische Wunderkind mit 13 Jahren in Berlin. So rasend schnell scheinen Rubinstein die Raffinessen des Klavierspiels zuzufliegen, dass er meint, sich das systematische Erlernen des Tasten-Handwerks sparen zu können. Nach einem kometenhaften Aufstieg mit Erfolgen in Dresden, Hamburg und Warschau bricht er 1906 zu seiner ersten Amerika-Tournee auf, die sich aber zum Fiasko entwickelt. Die Krise der folgenden Jahre, inklusive einem gescheiterten Selbstmordversuch, findet ihr Ende, als Rubinstein den 15 Jahre jüngeren Horowitz erlebt, der das Klavier technisch beherrscht wie keiner zuvor. "Da ballte ich die Fäuste", schreibt Rubinstein in seinen Memoiren, "öffnete sie wieder und fing an hart zu arbeiten." Der Lebenskünstler zieht sich zurück vom Dolce Vita und beginnt noch einmal ganz von vorn. 1937 schließlich hat Artur Rubinstein "seinen" Klang gefunden und reist erneut in die USA.

Dieses Mal wird seine Tournee zum Triumphzug und zum Ausgangspunkt einer weltweiten Karriere. "Das Spiel keines anderen zeitgenössischen Pianisten strahlt so viel Kultur, so viel Fülle, klare, gesunde Männlichkeit und Kraft aus", urteilt Harold Schonberg, gefürchteter Kritiker der New York Times. Dabei spielt Rubinstein nicht nur das Klassiker-Repertoire von Brahms bis Beethoven, sondern gewinnt das Publikum auch für die Modernen wie Strawinski, de Falla oder Villa-Lobos. Vor allem aber mit seinen Chopin-Interpretationen erarbeitet sich Rubinstein den Ruf als größter lebender Pianist. Anders als bei vielen anderen großen Künstlern lässt Rubinsteins Virtuosität mit dem Alter nicht nach. Unablässig in Bewegung, zieht er die Zuhörer auf allen fünf Kontinenten in seinen Bann. Nur in Deutschland tritt Artur Rubinstein nach seinen Debütjahren nicht mehr auf. 1914 hatte er von Gräueltaten deutscher Soldaten gehört und geschworen, nie wieder in diesem Land zu gastieren. Später, nachdem ein großer Teil seiner jüdischen Familie von den Nazis ermordet worden waren, hatte er diesen Schwur erneuert und bis zu seinem Tod am 20. Dezember 1982 nicht gebrochen.

Stand: 20.12.07