20. April 2007 - Vor 30 Jahren: Jimmy Carter legt Energie-Sparprogramm vor

Stichtag

20. April 2007 - Vor 30 Jahren: Jimmy Carter legt Energie-Sparprogramm vor

"Guten Abend, ich habe ein ernstes Wörtchen mit Ihnen zu reden." Mit diesen Worten beginnt US-Präsident Jimmy Carter, knapp drei Monate im Amt, am 18. April 1977 seine Fernsehansprache an die Nation. Er hält die Rede im Sessel am Kamin. Ein Feuer flackert, der einstige Erdnussfarmer aus dem US-Bundesstaat Georgia trägt eine Jacke aus kamelhaarfarbener Wolle. Carter erklärt, dass die Öl- und Gasvorräte, mit denen die USA überwiegend ihre Energieversorgung sichern, leider zur Neige gingen. Er appelliert an seine Landsleute, weniger Strom zu verbrauchen, ihre Häuser besser zu isolieren und sparsamere Autos zu fahren. Zwei Tage nach seiner Rede an die Nation präsentiert Carter am 20. April 1977 seine Ideen dem Kongress. Sie gehen weit über das bloße Sparen hinaus: Er will bis zum Jahr 2050 die vollständige Umstellung der Energieversorgung des Landes auf erneuerbare Energien wie Wind und Sonne.

Carter gründet ein Energieministerium. Die Profite der Ölkonzerne werden in seiner Amtszeit hoch besteuert. Im Gegenzug wird ein millionenschweres Forschungsprogramm für Sonnenenergie aufgelegt. Doch die neue Energiepolitik wird schon kurze Zeit später wieder gestoppt. 1981 gewinnt Ronald Reagan die Präsidentschaftswahl. Der Wahlkampf des ehemaligen Schauspielers und Gouverneurs von Kalifornien wurde von der Öl-Industrie mitfinanziert. Reagan streicht das Budget der von Carter ins Leben gerufenen Energiesparprogramme um 90 Prozent. Hunderte von Forschern verlieren ihre Jobs. Windparks verrotten. Die Solaranlage, die Carter auf dem Dach des Weißen Hauses installieren ließ, wird nach Reagans Amtsantritt entfernt.

Die Sonnenkollektoren des Weißen Hauses landen auf dem Dach der Cafeteria eines Colleges im US-Bundesstaat Maine. 2006 macht der Schweizer Performancekünstler Roman Keller daraus ein ungewöhnliches Kunstprojekt. Er borgt sich zwei der Paneele aus und fährt damit durch die USA - in einem Gefährt, das mit Speisefett-Resten aus Fastfood-Restaurants betrieben wird. Schon bei der Einweihung der Solaranlage in Washington, erzählt Keller, hat Carter 1979 gesagt: "Das könnte eine Kuriosität, ein Museumsstück oder das Beispiel eines unbeschrittenen Weges werden."

Stand: 20.04.07