02. September 2007 - Vor 50 Jahren: Rassenkonflikte in Little Rock, Arkansas

Stichtag

02. September 2007 - Vor 50 Jahren: Rassenkonflikte in Little Rock, Arkansas

Zu Beginn des Schuljahres 1957 zeigt der Rassismus im Süden der USA wieder einmal sein hässliches Gesicht. Erstmals in der US-Geschichte sollen überall schwarze und weiße Schüler in gemeinsamen Klassen unterrichtet werden - auch in den vom ultra-reaktionären Ku-Klux-Klan beherrschten Südstaaten. Was sich dann ab September 1957 in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas, abspielt, geht als eines der schlimmsten Kapitel der Rassentrennung in die US-Geschichte ein. Als bekannt wird, dass neun schwarze Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren die bislang rein weiße Central Highschool  besuchen sollen, verkündet Gouverneur Orval Faubus: "Wenn man den Negern die Schulklassen gewaltsam öffnet, dann wird Blut fließen und der Pöbel rasen." Keiner wird mehr dafür sorgen als Faubus selbst.

Am Abend des 2. September lässt der Gouverneur die Nationalgarde in Little Rock einmarschieren und die Schule umstellen. Sie soll unter allen Umständen verhindern, dass die "Nigger" das Gebäude betreten. Zwei Tage später versuchen die von einer Schwarzen-Organisation ausgewählten neun Schüler zum ersten Mal, am Unterricht teilzunehmen. Mit dem Schrei: "Da kommen die Nigger!" stürzt ein weißer Mob den Schülern entgegen, reißt sie nieder, schlägt und tritt auf sie ein. In dem Gewühl gelingt es vier Schwarzen, die Schule unbemerkt durch einen Nebeneingang zu betreten. Tränenüberströmte weiße Mütter flehen die Polizisten an: "Die Nigger sind in unserer Schule. Oh Gott, und ihr steht da und lasst die Nigger da drin bleiben!" Mit Mühe können die neun schwarzen Schüler schließlich in Sicherheit gebracht werden.

Drei Wochen lang verhindern der Gouverneur, seine Nationalgarde und der Rassisten-Pöbel weitere Schulbesuche. Als Faubus per Gerichtsbeschluss am 23. September zum Rückzug seiner Truppen gezwungen wird, verlassen alle weißen Kinder bei Ankunft der schwarzen die Schule. Wieder kommt es zu schweren Ausschreitungen. Aus dem Fernsehen erfährt Dwight D. Eisenhower, was sich in Arkansas abspielt. Der US-Präsident sieht das Ansehen der Nation in Gefahr und reagiert. Er zieht das Kommando über die Nationalgarde an sich und lässt 1.000 Soldaten in Little Rock einrücken. Zwei Monate lang eskortieren sie die schwarzen Kinder in voller Kampfmontur zur Schule und wieder nach Hause. Danach endet zwar die Gewalt auf den Straßen, nicht aber der Psycho-Terror gegen die Neun. Trotzdem schließen alle die Highschool erfolgreich ab. 1999 werden sie für ihren Mut mit dem höchsten Zivilorden der USA  ausgezeichnet.

Stand: 02.09.07