11. August 2007 - Vor 85 Jahren: Das Deutschlandlied wird Nationalhymne

Stichtag

11. August 2007 - Vor 85 Jahren: Das Deutschlandlied wird Nationalhymne

Während der WM 2006 wird das Deutschlandlied zum Sommerhit - vor allem junge Fußball-Fans singen die Nationalhymne. Mit der schillernden Vergangenheit des Liedes dürften sich indes die wenigsten beschäftigt haben. Die Melodie stammt aus Kroatien und wird 1797 von Joseph Haydn für die österreichische Hymne "Gott erhalte Franz den Kaiser" bearbeitet. Diese Fassung übernimmt August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, als er 1841 sein "Lied der Deutschen" dichtet. Der Autor ist umstritten: Er gilt als Befürworter der Demokratie, doch seine Texte zeigen ihn auch als Nationalchauvinisten. Wie "Deutschland über alles" in der ersten Strophe zu verstehen ist, daran lässt er keinen Zweifel: Die Deutschen könnten "das erste Volk auf Erden" werden. Als Feind hat er Franzosen und Juden ausgemacht. "Hoffmann von Fallersleben war ein eindeutiger Antisemit", sagt der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer.

Als 1871 die deutsche Einheit kommt, erfreut sich das Lied wachsender Beliebtheit - passt der Text doch bestens zum Imperialismus des Kaiserreichs: "... von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt...". Am 10. November 1914 bringt ein Heeresbericht dem Deutschlandlied den Durchbruch: "Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange 'Deutschland, Deutschland über alles' gegen die ersten Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie!" Langemarck wird zum Mythos und dient zur Rechfertigung eines blutigen Angriffsbefehls. Die gescheiterte Offensive in Flandern kostet allein 130.000 deutsche Soldaten das Leben.

Mit Bezug auf Langemarck erklärt SPD-Reichspräsident Friedrich Ebert am 11. August 1922 das Deutschlandlied zur Nationalhymne. Seine Absicht, damit die rechten Gegner der Weimarer Republik einzubinden, scheitert jedoch: Bei den Nazis ertönt die Hymne meist zusammen mit dem Horst-Wessel-Lied der SA. Hitler selbst ehrt in Langemarck nach dem Überfall auf Belgien 1940 "das Lied, das uns Deutschen am heiligsten erscheint." Nach dem Zweiten Weltkrieg verbieten die Alliierten die Hymne. Doch in der Bundesrepublik feiert sie 1952 ihr Comeback - bei offiziellen Anlässen beschränkt auf die dritte Strophe. Bundeskanzler Konrad Adenauer setzt sich gegen Bundespräsident Theodor Heuss durch, der eine neue Hymne will. Nach der Wende machen DDR-Politiker Vorschläge für eine neue Version. Ohne Erfolg: Helmut Kohl und Richard von Weizsäcker bestätigen 1991 die historisch schwer belastete Nationalhymne.

Stand: 11.08.07