11. Dezember 2007 - Vor 10 Jahren: Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz verabschiedet

Stichtag

11. Dezember 2007 - Vor 10 Jahren: Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz verabschiedet

Der Klimawandel droht nicht - er ist schon längst in vollem Gang. Angesichts schmelzender Polkappen, steigender Meeresspiegel und einem bedrohlich klaffenden Loch in der Ozonschicht können die Industriestaaten Mitte der 90er Jahre die Zukunfts-Szenarien von Klimaexperten nicht länger als Panikmache abtun. Fest steht: Für die Zunahme der Erderwärmung ist vor allem der Mensch verantwortlich, durch den ungebremsten Ausstoß von Treibhaus-Gasen wie etwa Kohlendioxid. Fest steht ebenso: Aufzuhalten ist der Klimawandel längst nicht mehr; es kann höchstens noch das Schlimmste verhindert werden. Ende 1997 treffen sich deshalb Vertreter von 155 Ländern im japanischen Kyoto, um wirksame Maßnahmen gegen die bedrohliche Erderwärmung zu beschließen.

Im Mittelpunkt des von den Vereinten Nationen veranstalteten Klimagipfels steht die Frage, um wie viel Prozent jeder einzelne Staat seine Emissionen an Treibhausgasen künftig reduzieren muss. Weil die Erkenntnisse des UN-Weltklimarates offiziell immer noch nicht als gesichert gelten, pokern vor allem die größten Kohlendioxid-Produzenten wie die USA, Russland und Japan bis zum Äußersten um jedes Schlupfloch. Nach sehr zähen, Tag und Nacht währenden Verhandlungen gelingt es dem argentinischen Vorsitzenden Raul Estrada, das drohende Scheitern der Konferenz zu verhindern und eine Einigung durchzudrücken. Die Delegierten verabschieden ein 27 Artikel umfassendes Protokoll, das 38 Staaten und der Europäischen Union konkrete Emissionsziele vorschreibt und im Februar 2005 in Kraft tritt. Der fünfjährige Verpflichtungszeitraum, in dem eine Reduzierung der Treibhaus-Gase um durchschnittlich 5,2 Prozent - gemessen am Ausstoß im Jahr 1990 - erreicht werden soll, beginnt 2008.

Auf Vorschlag des weltgrößten Treibhausgas-Produzenten USA wird ein Instrument in das Protokoll aufgenommen, das Umwelt- und Wirtschaftspolitik miteinander verbinden soll: der Handel mit Emissions-Zertifikaten. Demnach erhalten Schadstoff ausstoßende Unternehmen vom Staat ein bestimmtes Emissions-Budget zugestanden. Wollen sie mehr Gase ausstoßen, müssen sie Emissions-Zertifikate hinzukaufen. Allerdings sind es ausgerechnet die Vereinigten Staaten, die sich 2001 unter George W. Bush kurzerhand wieder aus dem Protokoll verabschieden. Man sei in der Lage, die Wirtschaft wachsen zu lassen und gleichzeitig die Umwelt zu schützen, verkündet der US-Präsident.Wie es 2012 nach Ablauf des in Kyoto beschlossenen Verpflichtungszeitraums weitergehen soll, entscheidet im Dezember 2007 die Klimakonferenz auf Bali. Soll der Klimawandel wirkungsvoll eingeschränkt werden, müssen die Emissionen nach einer Empfehlung des Weltklimarates bis 2050 um 85 Prozent sinken.

Stand: 11.12.07