18. August 2007 - Vor 435 Jahren: Die "Bluthochzeit" des Heinrich von Navarra

Stichtag

18. August 2007 - Vor 435 Jahren: Die "Bluthochzeit" des Heinrich von Navarra

Paris im August 1572. Gespannte Erwartung liegt über Frankreichs Hauptstadt. Eine königliche Hochzeit soll endlich den seit zehn Jahren im ganzen Land tobenden Glaubenskrieg beenden. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen protestantischen Hugenotten mit ihrem Anführer Heinich von Navarra an der Spitze und der mehrheitlich katholischen Bevölkerung unter König Karl IX. haben das Land verwüstet und Tausende Opfer gefordert. Um die Glaubensfeinde miteinander zu versöhnen, hat Katharina von Medici, die Königsmutter und eigentliche Herrscherin über Frankreich, die Ehe zwischen dem Hugenotten Heinrich und ihrer Tochter Margarete von Valois arrangiert. Doch das Bündnis, das Frieden stiften soll, provoziert wenige Tage später das größte Massaker, das je Christen unter Christen angerichtet haben.

Die Trauung findet am 18. August 1572 in der Kathedrale Notre Dame statt - ohne den Bräutigam, denn Heinrich und sein Gefolge bleiben der katholischen Zeremonie fern. Während Paris noch feiert, gibt die machtbewusste Regentin Katharina einen Mordanschlag in Auftrag, der die kaum verhohlenen Feindseligkeiten zwischen den Glaubenslagern erneut entzünden wird. Vier Tage nach der Eheschließung schießt ein bezahlter Attentäter auf Admiral Gaspard de Coligny, den einflussreichen Feldherrn der Hugenotten und engsten Vertrauten Heinrichs. Obwohl Coligny nur leicht verletzt wird, rotten sich überall in Paris die Menschen zusammen. Hass und Mordlust geraten außer Kontrolle.

Um drei Uhr am Morgen des 24. August, dem Tag des Hl. Bartholomäus, beginnt das Gemetzel, das später als Bluthochzeit oder Bartholomäusnacht in die Geschichte eingeht. Als einer der ersten Hugenotten wird Admiral Coligny, Katharinas größter politischer Widersacher, in seinem Quartier erdolcht. Im Königspalast, dem Louvre, muss Heinrich machtlos mitansehen, wie königliche Soldaten sein gesamtes Gefolge umbringen. Über das, was sich in dieser Nacht und den folgenden Tagen in Paris abspielt, schreibt ein Zeitzeuge: "Es gab bald keine Straße mehr, auch die allerkleinste nicht, wo nicht einer den Tod fand, und das Blut floss, als ob es stark geregnet hätte." Einzig Heinrich von Navarra überlebt das grauenhafte Massaker, dem Tausende von Hugenotten zum Opfer fallen. Ironie der Geschichte: Nach dem Tod Karls IX. und der Ermordung seines Nachfolgers Heinrich III. besteigt der zum Katholizismus konvertierte Hugenottenführer 1589 als Heinrich IV. rechtmäßig den französischen Thron. 

Stand: 18.08.07