26. März 2007 - Vor 100 Jahren: Baugenehmigung für Gartenstadt Marga

Stichtag

26. März 2007 - Vor 100 Jahren: Baugenehmigung für Gartenstadt Marga

Seit über 100 Jahren ernährt die Braunkohle die Menschen der Lausitz. So lange schon wird im Sandboden und den Hochmooren bei Hoyerswerda und Cottbus nach dem fossilen Brennstoff gegraben. Wie im Ruhrgebiet und im Westlichen Braunkohlerevier ziehen die Arbeiter mit ihren Familien den Tagebauen hinterher. In der dünn besiedelten Lausitz aber, deren Revier nach der jung verstorbenen Tochter des Bergwerksdirektors "Marga" benannt ist, müssen sie erst einmal angelockt werden. Geschehen soll dies durch vorbildliche Wohnkomplexe: Hygienisch, sonnig und luftig soll die Architektur sich zeigen, und schon im Aufbau die Gemeinschaft aller symbolisieren. So entsteht Deutschlands erste Gartenstadt, Marga, genannt "die Perle". Am 26. März 1907 wird die Baugenehmigung erteilt.

Normannisches Fachwerk und süddeutsche Dächer

Der Dresdner Architekt Gregor Heinsius von Mayenburg erhält den Zuschlag, die rund 300 Wohnungen der Kolonie sowie deren Infrastruktur mit Gasthaus, Kaufhaus, Bäckerei und Schlachterei zu entwerfen. 1902 hat sich die Deutsche Gartenstadtbewegung gegründet. An ihre Ideen lehnt von Mayenburg sich an. Seine Phantasie ist enorm: Er kombiniert normannisches Fachwerk, englische Cottages und süddeutsche Dächer, spielt mit Fledermausgauben, Ecktürmchen und Erkern, variiert Schiefer, Holz und Putz. Die kreisförmigen Straßen begrünt er mit unterschiedlichen Baumarten. Den schneckenförmigen Umriss der Siedlung macht er durch einen Rahmen aus Bäumen sichtbar.

In der DDR wird die einstige Perle des Kapitalismus mit dem neuen Namen Brieske-Ort unter einem Schlier von Kohlestaub begraben. Die Fassaden verrotten, Fensterläden werden verheizt, Gärten vermüllen. Aber die einst stolze Gartenstadt überlebt auch den real existierenden Sozialismus - auch wenn sich nach der Wende zunächst kein Interessent finden will, um das Kleinod wieder zu polieren. Dann setzen sich Bewohner, Denkmalpfleger, Stadt und Geldgeber doch noch am runden Tisch zusammen. Einwohner werden für die Sanierungsmaßnahmen ein Jahr lang "zwangsevakuiert". Mitte 2000 erstrahlt das farbenfrohe Original wieder wie aus einem Guss.

Stand: 26.03.07