30. Juli 2007 - Vor 215 Jahren: Die Marseillaise kommt nach Paris

Stichtag

30. Juli 2007 - Vor 215 Jahren: Die Marseillaise kommt nach Paris

Preußen und Österreich haben dem revolutionären Frankreich den Krieg erklärt. Die französische Rheinarmee an der Grenze ist in Alarm versetzt. Aber zum Losmarschieren fehlt ihr noch ein passendes revolutionäres Marschlied. Also dichtet und komponiert es kurzerhand ein Offizier: Claude-Joseph Rouget de Lisle schreibt Melodie und Text in der Nacht zum 26. August 1792: "Auf, Kinder des Vaterlands! Der Tag des Ruhmes ist da."

Der Marsch wird ein Erfolg, zunächst in Frankreichs Süden. Handelsreisende bringen das Lied dorthin. Erst am 30. Juli 1792 erreicht das Soldatenlied auch die Hauptstadt: An diesem Tag schmettert es eine Truppe von Freiwilligen aus Montpellier und Marseille, als sie in Paris einmarschiert. Die Bürger singen den Marsch bald begeistert mit und nennen ihn die "Marseillaise."

"Ergreifend und furchtbar"

Schon ein Jahr später hört Geheimrat von Goethe das Lied, als er die Belagerung von Mainz miterlebt. Die französische Kavallerie singt die Marseillaise, als sie heranzieht. "Es war ergreifend und furchtbar", notiert Goethe: "Dieses revolutionäre Te Deum hat etwas Trauriges, Ahnungsvolles."Unter Napoleon wird die Marseillaise ein patriotisches Siegeslied. In der Restauration zeitweise verboten, steigt sie im 19. Jahrhundert schließlich zur Nationalhymne auf. Als Lied für Revolutionen wird sie international in etwa 300 Versionen kopiert, in Russland, Afrika, Südamerika und China. Die Popkultur geht wenig respektvoll mit der Hymne um: Die Beatles unterlegen die Melodie 1967 ihrem Song "All you need is love". Serge Gainsbourg löst 1979 einen kleinen Skandal mit seiner Reggae-Marseillaise aus. Sie bringt ihm Bombendrohungen ein, hält sich aber wochenlang auf Platz 1 der französischen Hitparade. Als die Hymne in einem Fußballstadion ausgepfiffen wird, ersinnt Präsident Jaques Chirac ein Gesetz zu ihrem Schutz: "Hymnenschändung" kann jetzt mit einer Geldstrafe von 7.500 Euro oder sechs Monaten Gefängnis bestraft werden.

Stand: 30.07.07